T R A K E H N E R
I N   B A Y E R N

Ostsonne










Musterungsreise im Süden











(Foto: Michael Sauter)

Ein wahrer
Fohlenmusterungs-Marathon liegt hinter der bayerischen Kommission, die an diesem Wochenende zwei der größten Musterungsplätze besuchte – und auch Zuchtleiter Lars Gehrmann, der auf dem Rückweg vom Urlaub einen Zwischenstopp in Bayern einlegte, äußerte sich sehr angetan von Qualität und Quantität der gesehenen Fohlen.

Gestüt Seeor [Bilderbogen hier]

Mit dem Gestüt Seeor der Familie Schultz in Polling bei Mühldorf lud einer der mittlerweile beliebtesten Musterungsplätze Bayerns zur Fohlenschau. Sage und schreibe 15 Fohlen präsentierten sich – samt und sonders in bester Konstitution –, obgleich das Gestüt selbst nur ein einziges Fohlen in diesem Jahr hatte. Und diesmal konnte der Musterungsplatz gleich mit zwei „Hinguckern“ aufwarten: Ein topfittes Zwillingspärchen zog alle Blicke auf sich, und ein mutterloses Flaschenkind stellte seiner Zuchtstätte ebenfalls ein Spitzenzeugnis für Aufzuchtleistung aus.

Zehn Wochen alte Zwillinge und Mutter in solcher Konstitution vorzustellen – Hut ab! Vater ist der vielseitig erfolgreiche Elitehengst Kasparow, Mutter die GP-Stute Samantha Fox v. Heimherr / Kassius aus nächster Verwandtschaft zu den Springhengsten Suchard und Sir Graditz. Züchter des Pärchens ist Josef Gradl aus Schönsee

Äußerst vital und sah klasse aus: Mit der Flasche aufgezogene Tochter des Hibiskus und der Safira IV v. Schenkendorf – Turn Back the Time xx aus der Zucht von Georg Stadler, Mehring

Neben den Hinguckern waren in Seeor auch züchterische Schmankerl auf dem Laufsteg: Aus bewährter Anpaarung des Gribaldi an die selbst im Dressursport bis Inter I erfolgreiche Elitestute Lana Lee v. Habicht etwa zeigte sich ein edles, ausdrucksvolles Stutfohlen in typischer Machart ihres Vaters mit bedeutender Kruppenpartie, deren Bewegungen locker über den Rücken schwangen. Die Hörsteiner Lehndorff’s-Tochter Scarlett (a.d. ElSt. Shynoon v. Highnoon), auch sie unter dem Sattel von Besitzertochter Pointecker erfolgreich im Dressursport bis Klasse M, präsentierte eine sehr gelungene Tochter des seinerzeitigen Körsiegers Glanzlicht, die sich sehr balanciert mit gutem Raumgriff und vorzüglicher Mechanik zu bewegen wusste. Die doppelt prämierte Inster-Graditz-Tochter Kornernte II aus der österreichischen Zuchtstätte Weiß, in Seeor schon öfter mit Spitzenfohlen aufgefallen, stellte eine sportliche, langbeinige Tochter des HLP-Siegers Impetus vor. Vom selben Vater stammte auch das hauseigene Stutfohlen, das sich geschlossen und mit sehr schöner Kruppenformation darstellte. Mutter Hasel v. Grafenstolz gehörte zur Ic-Familie der letztjährigen Landesschau.

In Prämienqualität bewertet wurde auch eine typstarke, körperkorrekte Buddenbrock-Tochter in Fuchsfarbe aus der Zucht von Reinhard Pröbstl. Die Mutter des mit drei gleich guten Grundgangarten punktenden Stutfohlens, Ambrosia v. Hohenstein, wurde vor Ort ins Stutbuch des Verbandes aufgenommen.

Die „Beste Vierjährige“ der Eintragung 2008, La Tigra v. Polarpunkt, wartete mit einem Hibiskus-Erstling auf, der sich am Musterungstag entwicklungsbedingt nicht spektakuläre zeigte, aber mit lockeren und leichtfüßigen Bewegungen zu punkten wusste. Ein gelungenes Scheckfohlen mit ansprechendem Gesicht und vorzüglicher Halsung vom erst vor wenigen Wochen eingegangenen Grande Couleur aus einer Lamarc-Tochter der ostdeutschen Grenzmaid-Familie stellten Christine Nöth und Gerhard Tabatschek vor. Und auch der längst verblichene Held olympischer Springparcours, Abdullah, ließ in Seeor mit einem sehr männlichen und in toller Aufrichtung daherkommenden Söhnchen grüßen.


„Königin“ dieses Musterungstermins war aber einmal mehr eine Tochter des Spitzenvererbers Herzruf. Auch dies eine bewährte Anpaarung, denn Mutter Grandezza VI v. Farinelli, eine mütterliche Halbschwester der amtierenden Jahressiegerstute Gänseblümchen, stellte vor zwei Jahren aus selber Anpaarung bereits das Spitzenfohlen des Musterungsplatzes. Sportlich, gut entwickelt, in bester Dreiteilung und mit ausgeprägten Gelenken wusste die kleine Stute schon im Seitenbild zu überzeugen und setzte mit raumgreifendem Schritt und bester Mechanik in Vor- und Hinterhand in der Bewegung noch einen drauf


Gestüt Schralling

Zum 50-jährigen Züchterjubiläum hatten Hans Ernst und Irene Wezel Freunde ins Gestüt Schralling eingeladen. Das umfassende Programmheft führte detailreich durch die Geschichte des 1964 gegründeten Gestüts im oberbayerischen Landkreis Altötting. Die diesjährigen Züchterhoffnungen verkörperten vier Trakehnerfohlen, Züchterkollege Hartwig Meinen stellte die letzte Tochter seiner hochverdienten, im Gestüt Schralling erworbenen Stute Schöner Morgen mit Erstlingsfohlen vor.

Erstlings-Füchschen (v. EH Connery) der Münchhausen-Tochter Schöner Morgen II, die in der Zuchtstätte Meinen, Tann, das schwere Erbe ihrer geliebten und hochverdienten Mutter Schöner Morgen v. Arogno angetreten hat. Schöner Morgen II war Siegerstute ihrer Eintragung in Bayern (Foto: privat)

Sechserben v. Connery, Eintragungssiegerin in Bayern und Ib-Preisträgerin ihrer Altersklasse bei der Landesschau, stellte ebenso wie die Peron-Tochter Samonien ein hochbewertetes Stutfohlen des seinerzeitigen Publikumslieblings Lowelas. Der leider viel zu früh eingegangene Inster Graditz, wie Lowelas aus hauseigener Zucht stammend, ist Vater eines ebenfalls hoch eingeschätzten Stutfohlens der polnischen Ignam-Tochter Cadinen II, und zu den Spitzen dieses Jahrgangs zählt sicher das von Dr. Andreas Wezel gezogene Hengstfohlen des Champions Imperio und der Schwadroneur-Tochter Schönheit II.


Gestüt St. Vitus [Bilderbogen hier]

Auf 15 Jahre Trakehnerzucht können Simone Lindemeir-Trippel und ihr Team in diesem Jahr zurückblicken – und zum Jubiläum kamen nicht nur insgesamt 27 Fohlen, sondern es wurde auch international: Gäste aus der Schweiz, Italien und den Niederlanden konnte die Gestütschefin zur Fohlenmusterung begrüßen. Auch Bernd Gloede, Züchter des Stationspaschas Heldenberg, ließ es sich nicht nehmen, diesen zahlenstarken Jahrgang seines Hengstes selbst in Augenschein zu nehmen. Wie schon im vergangenen Jahr, schrieb das Gestüt auch in diesem Jahr ein Fohlenchampionat aus. Die bestbewerteten Hengst- und Stutfohlen trafen sich also in einem kleinen Endring, ihre Züchter durften sich über Titel, Schleifen und schöne Ehrenpreise freuen. Dass die Spitze dicht beieinander lag, bewies die Tatsache, dass sowohl bei den Hengsten als auch bei den Stuten gleich drei 3. Plätze vergeben wurden.

Den Anfang machten am Vormittag die Hengstfohlen, von denen das Gestüt St. Vitus selbst zehn zu bieten hatte. Neun von ihnen hatten Stationspascha Heldenberg zum Vater, der hier erneut deutlich machte, dass er nicht nur mit 100%iger Befruchtungsquote zu punkten weiß, sondern durch die Bank für gut zu händelnde Fohlen aus unterschiedlichsten Müttern garantiert. Er selbst zeigte sich nach seinen Fohlen und bewies, dass Nervenstärke und Top-Interieur seiner Kinder nicht von ungefähr kommen.

Interessante Mütter standen hinter diesen Heldenberg-Fohlen, u.a. die Lokator-xx-Tochter Blitzblut aus nächster Verwandtschaft zum gekörten S-Springer Bellheim und dem Dressurpferd Brazil; die ehemalige Sommerladerin Octopussy, die mit Hofrat und Marduc wertvolle Dressurkomponenten einbrachte und ihren Sohn auch typmäßig deutlich prägte; die ebenfalls aus Sommerlade übernommene Abendröte, eine Enkelin des Marbacher Spitzenarabers Gharib ox, deren gerade erst fünf Tage alter Sohn es auf dem Platz so richtig krachen ließ; und Perle, eine Tochter des selbst im Sport erfolgreichen Vollblüters Cavallieri xx aus dem Stamm der hart geprüften Biebelriederin Pommern v. Habicht, deren Sohn Szenenapplaus für seine Trabtour bekam.

Die drei derzeit zuchtaktiven Stuten aus dem Stamm der Gestütsgründerin Royal Rose v. Habicht – aus diesem Stamm sahen wir ja beim letzten Hengstmarkt den zwar nicht gekörten, aber im Stall von Michael Jung sicher passend sportlich geförderten Räuberschatz – präsentierten vorzügliche Heldenberg-Söhne: Ribbeck a.d. Royal Rose v. Stradivari, der sich stets groß zu machen verstand, immer im Takt war und vor allem im Galopp mit schöner Selbsthaltung punktete.



oben: Rohan
links: Räuberstern
Fotos: Petra Eckerl

Der sehr gelungene Räuberstern a.d. Räuberlied v. Laurel, harmonisch mit drei gleich guten Grundgangarten und aktiver Hinterhand, und der gut entwickelte Rohan a.d. Räuberliebe v. Finley M, mit viel Vorhandmechanik, taktbeherrschten Verstärkungen und schönem Bergaufgalopp punktend, teilten sich schließlich Platz 3 im Championat der Hengstfohlen.

Der bunte Fuchs Lenz aus der selbst anlässlich der Stutenleistungsprüfung mit hohen Noten, vor allem im Springen, aufgefallenen Turnus-Tochter Lourdes III, trocken, harmonisch, gut entwickelt, mit bester Halsung, zeigte vor allem im Trab und Galopp Bergauf, gute Mechanik und viel Raumgriff – das bedeutete den Vize-Championatstitel bei den Hengstfohlen!

Foto: Petra Eckerl

Auch unter den Gast-Hengstfohlen gab es einen Heldenberg-Sohn, der allerdings mit seiner überragenden Vollblutmutter Donnerfee xx v. Sternkönig xx nicht ganz mithalten konnte. Die Stute aus dem Besitz von Thomas Engel, Holzgünz, trägt den Prämientitel des Verbandes und verdiente sich den u.a. mit je einer 8,5 für Trab und Galopp bei der Zentralen Eintragung und der erbrachten Rennleistung.

Den beziehungsreichen Namen Salve Picasso trug ein Hirtentanz-Sohn aus der Zucht von Johann Kleinheinz, Adelsried, der mit souveränem Schritt und überragender Nervenstärke zu gefallen wusste. Über die Mutter Salva Venia kommt eine Inzuchtkomponente auf Kostolany ins Pedigree – auch Salve Picasso konnte sich im Championat an 3. Stelle platzieren

Unbestritten bestes Hengstfohlen des Tages – und damit der Titelträger des diesjährigen Championats – war ein selbstbewusster Brauner mit Namen Klitschko aus der Zucht von Jürgen Jess, Oberschönegg. Ob der zunächst zum Zug gekommene Monteverdi oder der nach dessen Tod nachgenutzte Hibiskus sein Vater ist, wird die DNA ergeben, seine Qualität beeinflusst das nicht. Mutter Kaprice v. Tolstoi / Tenor ist Wiederholungstäterin, denn sie stellte im vergangenen Jahr die Stutfohlen-Championesse an selber Stelle. Kaprice war zudem Siegerin ihrer Eintragung in den Neuen Bundesländern und legte eine mit 7,92 bewertete SLP ab. Etwas herb in der Sorte, sehr männlich und stolz, ungemein sportiv und mit überragenden Grundgangarten – so gewinnt man Championate!

Der Nachmittag gehörte dann den Stutfohlen. Und hier war die Spitze wirklich sehr breit. Von den fünf Fohlen, die schließlich auf dem Endring gingen, hätte jede als Siegerin herausgestellt werden können – da machten Nuancen den kleinen Unterschied.

Das zweifellos beste Stutfohlen dieses Jahrgangs im Gestüt St. Vitus ist das älteste Fohlen: Träumerei, eine Mitte Februar geborene Tochter des Heldenberg aus der interessant gezogenen Thakira. Die Biotop-Tochter aus einer Vollblüterin v. Intervall xx hatte bereits vor drei Jahren einen sehr gangstarken Sohn des Normativ ox vorgestellt. Träumerei, sehr frohwüchsig und ihrem Alter entsprechend nicht ganz ausgeglichen im Wachstum, ist im Phänotyp deutlich von ihrem mütterlichen Großvater geprägt. Raumgreifender Galopp, sportliches Outfit und guter weiblicher Typ schlugen für sie zu Buche; sie teilte sich den 3. Platz des Championats mit zwei weiteren Stutfohlen

Foto: Petra Eckerl

Auch bei den Stutfohlen waren einige interessante Schmankerl „auf dem Laufsteg“: So beispielsweise eine Tochter des Spitzensportlers El Greco TSF aus einer Vollblutaraberstute, deren Schritt ebenso sehenswert war wie ihre Gelassenheit später beim Verladen; eine trockene, prägnante Tochter des Champions Impero aus der hochbewährten ehemaligen Biebelrieder Mutterstute Kassaried, die mit viel Schwingungsgrad in der Bewegung gefiel; und eine ausdrucksstarke, sich mit viel Fleiß bewegende Tochter des Adamello aus dem Mutterstamm von Rockefeller und Ravel.

Eine untypisch schlicht gezeichnete braune Tochter des Hirtentanz aus der Zucht von Dr. Albert Raith aus Bern wusste nicht zuletzt wegen ihrer Mutter alle Blicke auf sich zu ziehen. Flotte v. Sixtus aus der selbst im Vielseitigkeitssport geprüften Fregatte v. Santiago blieb verletzungsbedingt ein Sporteinsatz verwehrt, sie und ihre Tochter präsentierten sich jedoch mit am sportlichsten an diesem Tage – Flotte Lotte gehörte zu den drei Stutfohlen, die die Kommission an diesem Tag auf Platz 3 des Championats sah. Denselben Platz belegte eine weitere typstarke und ausdrucksvolle Hirtentanz-Tochter, diesmal von Johann Kleinheinz a.d. Satasca v. Santiago gezogen. Schwalbentanz überzeugte mit raumgreifendem Schritt und lockerem, geschmeidigem Trab.


oben: Flotte Lotte
rechts: Schwalbentanz

Der Vize-Titel bei den Stuten ging ebenfalls ins Züchterhaus Kleinheinz nach Adelsried bei Augsburg für eine feine, im klaren Typ stehende, harmonische Grafenstolz-Tochter a.d. Koralle v. Cadeau – Monteverdi, die mit lockeren, elastischen Bewegungen im Trab und Galopp punktete

Stutenkönigin wurde schließlich eine am 23. Mai geborene Tochter des mit seinen ersten beiden Jahrgängen sehr positiv aufgefallenen Trakehner Vize-Champions Singolo. Vipsy a.d. Viviane v. Guter Stern – Animo xx stellte sich als rahmiges, über viel Boden stehendes Modell mit drei gleich gute, energischen Grundgangarten vor. Und auf Züchterin Katja Dietz wartete noch eine weitere Überraschung: Nach der Vorstellung ihres Fohlens erwartete ihr Lebensgefährte sie mit einem Rosenherz und machte ihr unter den Klängen der Sportfreunde Stiller und dem Applaus des Publikums einen Heiratsantrag – wer kann da schon „nein“ sagen?

Ergebnisse 2. Günzburger Fohlen-Championat

Stutfohlen

1. Vipsy v. Singolo u.d. Viviane v. Guter Stern | Katja Dietz, Aging
2. NN v. Grafenstolz u.d. Koralle v. Cadeau | Johann Kleinheinz, Adelsried
3. Träumerei v. Heldenberg u.d. Thakira v. Biotop | Gestüt St. Vitus, Günzburg
3. Flotte Lotte v. Hirtentanz u.d. Flotte v. Sixtus | Dr. Albert Raith, Bern
3. Schwalbentanz v. Hirtentanz u.d. Satasca v. Santiago | Johann Kleinheinz, Adelsried

Hengstfohlen

1. Klitschko v. Hibiskus u.d. Kaprice v. Tolstoi | Jürgen Jess, Oberschönegg
2. Lenz v. Heldenberg u.d. Lourdes III v. Turnus | Gestüt St. Vitus, Günzburg
3. Salve Picasso v. Hirtentanz u.d. Salva Venia v. Kostolany | Johann Kleinheinz, Adelsried
3. Räuberstern v. Heldenberg u.d. Räuberlied v. Laurel | Gestüt St. Vitus, Günzburg
3. Rohan v. Heldenberg u.d. Räuberliebe v. Finley M | Gestüt St. Vitus, Günzburg