T R A K E H N E R
I N   B A Y E R N

Jahres-Mitgliederversammlung:

Viel Diskussionsstoff

Zuchtbezirk traf sich in Denkendorf

komplette Folie
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Folie der AG Rodgau

Protokoll


Bilderbogen von Tobias Maiwald - 25 Fotos - Klick aufs Bild für nächstes Foto

Bayerns Trakehenerzüchter ließen am vergangenen Sonntag strahlendes Frühlingswetter "links liegen" und fanden sich in großer Zahl im Hotel Post in Denkendorf zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung ein. Man interessierte sich in dieser für die Zucht nicht allzu einfachen Zeit für das, was im Zuchtbezirk in Zukunft passieren soll, wohin der Verband in Neumünster die Weichen stellt. Es ging durchaus "hoch her" - das Publikum nahm regen Anteil am Geschehen und ließ die Akteure am Rednerpult wissen, wo man an der Basis den richtigen Weg sieht.

Hochkarätiger Besuch hatte sich ebenfalls angesagt: Nicht nur Prof. Dr. Gerriet Müller aus dem Geschäftsführenden Vorstand, sondern auch Zuchtleiter Lars Gehrmann hatten sich in Denkendorf eingefunden. Schade, dass Peter Heinen absagen musste - hier hätten sich Bayerns Mitglieder ein Bild machen können von den Vorstellungen und Zielen des Kandidaten für die Wahl zum Geschäftsführenden Vorstand im April in Bremen.

Umfangreichster Programmpunkt war neben dem Rückblick auf das erfolgreiche Jahr 2011 die Vorstellung der Ergebnisse, die die so genannte Arbeitsgruppe Rodgau im vergangenen Jahr erarbeitet hat.

Traditionell waren die ersten Minuten der Versammlung dem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder gewidmet, bevor Zuchtbezirksvorsitzender Dr. Lutz Schubert mahnende und kritische Worte an die Anwesenden richtete. Er warb für Toleranz und Kompromissfähigkeit und appellierte an das Verantwortungsbewusstsein aller innerhalb des Verbandes, um unser wertvolles Kulturgut Trakehner auch in Zukunft konkurrenzfähig zu halten.

Die Rahmenbedingungen für die Zucht haben sich rasant verändert: Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung macht den Pferdeleuten das Leben ebenso schwer wie unmittelbar mit der Zucht zusammenhängende Probleme, als da wären der Schenkelbrand, die Mehrwertsteuer, die Pferdesteuer und auch die neuen HLP-Regelungen. Dazu kommt die Globalisierung, die auch die Zuchtverbände erreicht hat.

All dies erfordert Reformen, der Verband muss sich öffnen - hin zu mehr Dienstleistung, hin zur Internationalität, hin zu den Reitern, die ja unsere Pferde im Sport präsentieren. Wir müssen alternative Wege suchen, um unsere Marktnische zu definieren, zu besetzen und die entsprechenden Begehrlichkeiten zu wecken.

Stefan Stecker begann den Rückblick auf die Trakehner-Veranstaltungen des Zuchtbezirks im vergangenen Jahr und ließ die Fohlenmusterungsreise Revue passieren. Es wurden etwas weniger Fohlen vorgestellt als im vergangenen Jahr, doch waren diese von erlesener Qualität - allein 27 Stut- und 28 Hengstfohlen wurden mit 54 und mehr Punkten bewertet! Interessant, dass sowohl in diesem als auch im vergangenen Jahr eine Stute Siegerin der Eintragung wurde, die drei Jahre zuvor bestbewertetes Stutfohlen des Bezirks war ...

Über die Fohlenmusterungsreise haben wir hier ausführlich berichtet

Auch der Zuchtbezirk Bayern richtete in diesem Jahr wieder ein zentrales Fohlenchampionat aus - die Veranstaltung wurde von Beschickern und Zuschauern hervorragend angenommen! Eingebettet in das weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannte Dachauer Volksfest auf der herrlichen Anlage Gerblhof in Pellheim bei Traumwetter blieben auch kaum Wünsche offen.

Über das Fohlen-Championat haben wir hier ausführlich berichtet

Laura Schultz warf einen Blick auf eines der jährlichen züchterischen Highlights, die Zentrale Stuteneintragung in Mainburg, wo in diesem Jahr eine ganze Reihe hochbewerteter Prämienstuten und Prämienanwärterinnen zu küren waren.

Über die Zentrale Stuteneintragung haben wir hier ausführlich berichtet

Aus Bayern kamen im abgelaufenen Zuchtjahr zudem gleich zwei Vollblutstuten, die sich in die wahrhaft elitäre Riege der Stuten einreihen durften, die in alle vier Leistungsstutbücher der FN eingetragen wurden. In der mehr als 35-jährigen Geschichte dieser Leistungsstutbücher sind es nun gerade mal zwölf Stuten mit Vierfach-Titel.

Über die Vierfach-Leistungsstutbuch-Stuten
Temple Touch xx und La Native xx haben wir ausführlich berichtet

Angehende Mutterstuten sollten unter dem Sattel beweisen, dass sie in der Lage sind zu leisten, was sie ihren Kindern weitervererben sollen. Unter diesem Motto findet alljährlich eine Stutenleistungsprüfung für Trakehner im Zuchtbezirk statt. Aber auch bei anderen Leistungsprüfungen des bayerischen Landesverbandes waren Trakehnerstuten mit von der Partie. Insgesamt sechs Trakehner konnten 2011 in Bayern eine Leistungsprüfung mit der Gesamtnote 7,5 oder besser ablegen. Stefan Stecker stellte sie vor - und hatte für die Besitzer junger Stuten den guten Tipp, Eintragung und Leistungsprüfung zeitlich auseinanderzuziehen, um optimale Ergebnisse erzielen zu können.

Über die Stutenleistungsprüfung haben wir hier ausführlich berichtet

Auch beim 49. Internationalen Trakehner Hengstmarkt waren bayerische Pferde erfolgreich. Hartwig Meinens Touch my Heart v. Herzruf, jüngster Sohn der Elitestute und vierfach im Leistungsstutbuch eingetragenen Temple Touch xx, wurde gekört und als bester Halbblüter herausgestellt. Luisa Klein konnte ihren Gallapagos v. Le Rouge zum dritthöchsten Preis bei den Reitpferden verkaufen. Irmgard Walz blickte auf die Tage in Neumünster zurück, die wie immer ein besonderes Erlebnis waren.

Was das Bayerische Trakehner-Turnier anging, war die 13 eine Glückszahl. Wolfgang Moll zog ein positives Resüme des sportlichen Schaufensters der bayerischen Trakehner - in kurzen Zahlen: 128 Teilnehmer aus 5 Nationen gingen 345 Mal an den Start, knapp 1/3 davon ging auf Trakehner Kappe. 125 Platzierungsschleifen waren zu vergeben, 35% davon trugen Trakehner am Zaum, 6 Siege, 9 zweite Plätze und 5 dritte Plätze konnten sie in den 17 Prüfungen erzielen.

Über das 13. Bayerische Trakehner-Turnier haben wir hier ausführlich berichtet

Über erfolgreiche Reiter und erfolgreiche Trakehner im Sport konnte Erin Raili berichten. Ein Großteil der siegverwöhnten bayerischen Vielseitigkeitsreiter haben Trakehner im Stall, allen voran Julia Mestern, die mit zwei Trakehner Hengsten erfolgreich im Busch war. Bei den Dressurreitern stehen zwar alle bayerischen Top-Reiter unter den besten fünfzig deutschen Dressurreitern, leider aber nicht mit Trakehnern. Im Vergleich: Schleswig-Holsteins Top Ten sind nur zur Hälfte unter den bundesweiten Top Fifty zu finden - ein verstärktes Engagement der Trakehner hier im bayerischen Dressurkader wäre also sicher angebracht.
     Die Züchter der bayerischen Erfolgstrakehner erhielten ihre verdienten Ehrungen in Form von Urkunden und kleinen Präsenten - die Spitzenpferde in der abgelaufenen Saison hießen Pommery & Koriolan in der Dressur, Salino TSF & Lacorna in der Vielseitigkeit, Feuertanz M im Springen, Kapra im Fahren und bei den jungen Nachwuchscracks Rosorna, Vienna, Riverdance & La Floress. Bayerns erfolgreichste Züchterin in dieser Saison war Dr. Annette Wyrwoll, Gestüt Neuhof in Duggendorf.

Über Bayerns Top-Sport-Trakehner der Saison 2011 haben wir hier ausführlich berichtet

Über einen sehr harmonischen Saisonausklang konnte Wolfgang Moll berichten - einige Mitglieder der bayerischen Trakehnerfamilie trafen sich im "goldenen Herbst" zu einem wunderschönen Ausritt im Englischen Garten mit anschließendem gemütlichen Beisammensein.

Über den Herbstausritt haben wir hier ausführlich berichtet

Auf einen super-ausgeglichenen Haushalt konnte Gerhard Mendel verweisen. Obgleich im vergangenen Jahr die Premierenveranstaltungen Fohlen-Championat und Verkaufstag am Budget genagt haben, konnte anderenorts so viel eingespart werden, dass der Zuchtbezirk mit einem ausreichenden Polster in die Veranstaltungen der kommenden Saison starten kann.
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Helmut Mayer berichtete aus dem Trakehner Geschehen in Österreich und konnte einige schöne sportliche Erfolge von Meisterschaften aufzählen. Auch die 2010 begonnene Sportförderung trägt Früchte, PR für das Trakehner Pferd machen unsere österreichischen Züchterkollegen nach wie vor über die renommierte Pferde-Revue.

Premiere als Abendveranstaltung feierte im vergangenen Jahr in Bayern der in das Turnier eingebundene Verkaufstag. Ohne Vermittler, ohne Provisionen, ohne Startgeld für die Aussteller hat der Zuchtbezirk Züchtern und Käufern ein Forum geboten. Wolfgang Moll konnte ein überaus positives Fazit dieses Events ziehen - und er war mit seiner Meinung wahrlich nicht allein. Von vielen Seiten wurde bestätigt, dass das rund 20-köpfige Pferdelot von sehr guter Qualität war, hervorragend reiterlich vorgestellt wurde und von Bruno Six kurzweilig und meisterlich kommentiert wurde. Inzwischen ist auch rund die Hälfte der angebotenen Reitpferde verkauft.

Über den Verkaufstag haben wir hier ausführlich berichtet

Zuchtbezirksvorsitzender Dr. Lutz Schubert wandte sich mit einigen einführenden Worten zu den Vorschlägen der AG Rodgau an das Auditorium und griff dabei ein Zitat aus dem Vortrag von Burkhard Wahler anlässlich der Mitgliederversammlung der IG Trakehner in Österreich vom Wochenende zuvor auf: Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist bereits fünf nach zwölf, schrieb er Verbandsvertretern und bayerischen Züchtern ins Stammbuch. die schon längst angemahnte Suche nach Antworten und Lösungen für die aktuellen Probleme lasse viel zu lange auf sich warten, so Schubert. Erneut betonte er, dass es eine

Zukunft für die Trakehner Zucht nur mit einer offenen, dienstleistungs- und informationsorientierten
sowie internationalen Ausrichtung

geben kann. Dazu müssen die Strukturen und die Organisationsform des Verbandes geändert werden.

Wir brauchen eine langfristig angelegte, strategische Gesamtkonzeption, die wir je nach Dringlichkeit
Schritt für Schritt umsetzen sollten, ohne das Ganze, den "roten Faden", aus dem Auge zu verlieren
.

Frank Weißkirchen trug im Anschluss die Ergebnisse der Arbeit der AG Rodgau vor, die eine lebhafte Diskussion nach sich zog.

Zuchtleiter Lars Gehrmann übernahm den Bericht über die Arbeit des Verbandsvorstandes und konnte einige erfreuliche, einige weniger erfreuliche Entwicklungen bei den Bemühungen u.a. um den Schenkelbrand schildern. Dr. August Leitl fasste schließlich kurz alle Anträge zur Satzungsänderung zusammen, die im April in Bremen auf der Tagesordnung der Jahreshauptversammlung des Verbandes stehen.

Ein interessantes Schmankerl rundete den langen Züchtertag ab: Michael Sauter stellte die Leistungsprüfung nach Projekt Nurmi in einem Video vor und brachte den Zuschauern Anliegen und Philosophie dieses Prüfungsmodells näher.