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Trakehner
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Das etwas andere Deutschland

Auch wenn der hohe Norden" das eigensinnige Bergvolk" gelegentlich nicht so recht wahrnimmt, an Pioniergeist und Ideen mangelt es den Trakehner Züchtern im südlichsten Bundesland wahrhaftig nicht ...

Dass Bayerns Trakehner Züchter keineswegs ein unbedeutendes Anhängsel der norddeutschen Zuchtbezirke sind, haben sie nicht nur mit einer brillanten Landesschau 2001 bewiesen, sondern auch mit Bundessiegerstuten, Sportpferden von olympischer Qualität und Bundeschampions. Das immer noch propagierte „Nord-Süd-Gefälle" ist, so Zuchtbezirksvorsitzender Dr. Lutz Schubert, hinfällig. Schließlich stellte Bayern zum Beispiel 2001 den bundesweit besten Stuteneintragungs-Jahrgang.

Mit Schubert steht in Bayern ein Mann an der Spitze, der zwar diplomatisch agiert, doch beseelt ist von Visionen und sehr konkreten Idealen. Der Zuchtbezirk will helfen, den Trakehner Verband zu einem modernen Dienstleistungs- und Informationsunternehmen für Züchter und Reiter weiterzuentwickeln. Für dieses Ziel baut Schubert auf ein gemischtes Tearn aus „Altgedienten" als Garanten für eine kontinuierliche Zuchtpolitik und neuen, jüngeren Mitgliedern mit Ambitionen in sportlicher Hinsicht.

Zucht & Sport - Hand in Hand

Der Zuchtbezirk Bayern ist zwar nicht die einzige, aber beileibe nicht die letzte Bastion, die der Verbindung zwischen Zucht und Sport eine eminent wichtige Rolle zuschreibt. Schließlich sind die Reiter die Botschafter für Rittigkeit und Leistungsfähigkeit der Trakehner Pferde. Die Integration der Reiter in die Strukturen des Verbandes ist denn auch das langfristige Ziel. „Die Reiter sind existentiell - aus züchterischen Gründen und wegen der Vermarktung", betont Schubert. „Wir brauchen die Interaktion zwischen den Produzenten, also den Züchtern, und den Kunden, das heißt den Reitern." Bayern hat deshalb schon vor Jahren - noch unter der Ägide des ehemaligen Zuchtbezirksvorsitzenden Gerhard Linner und unter Federführung von Dr. Lutz Schubert - ein Sportförderprogramm aufgelegt. Das umfasst nach wie vor Lehrgänge bei renommierten Ausbildern und auch das vor sieben Jahren ins Leben gerufene jährliche Trakehner Turnier in Kreuth. Innerhalb von nur fünf Jahren schaffte es der Zuchtbezirk mit Hilfe dieser Fördermaßnahmen, die Zahl der in Bayern platzierten Trakehner zu verdreifachen - eine einmalige Leistung!

Konsequent nutzt der Zuchtbezirk bei seiner Sportförderung die Tatsache, dass Bayern nicht nur über optimal geeignete Reitanlagen verfügt, sondern auch über erstklassige Sportreiter. Es spricht durchaus für deren Offenheit, dass kaum einer Ressentiments gegenüber den Pferden mit dem Elchschaufelbrand empfindet. Gerade die Vielseitigkeitsreiter wissen Trakehner im Stall durchaus zu schätzen. So ist Olympiasieger Dr. Matthias Baumann derzeit mit BANTEER v. Parforce und dem polnischen Trakehner JIM KNOPF bestens beritten; Bruno Six, Betriebsleiter der Musteranlage Kreuth und bis zur ländlichen EM erfolgreich, verließ sich gern auf seinen Crack CAMPARI v. Santiago; die Familie Held, eine Bank in der bayerischen Busch-Szene, brachte nach vielen anderen aktuell mit SALINO v. Saint Cloud wieder einen Trakehner in den Sport; Franz Hörmiller ist mit SAINT CHEVALIER v. Saint Cloud Mitglied des bayerischen Kaders. Olympiareiterin Dr. Annette Wyrwoll, inzwischen begeisterte Trakehner Züchterin, verstärkt seit kurzem das Zuchtbezirks-Team und setzt sicher weitere Akzente bei der Sportförderung in Bayern.

Auch Bayerns Top-Dressurreiter greifen gern auf Trakehner zurück, wenn es um große Prüfungen geht: Hans Jörg Kaltenböck etwa führte FINALIST v. Santiago in den gehobenen Sport, Carmen Berger-Mangelkramer hat mit LANA LEE v. Sarafan ein gutes Pferd bis Klasse S zur Verfügung, und Matthias Kempkes brilliert mit dem Schimmelhengst S1LVERMOON v. Kostolany des Gestüts Ammerland. Markus Becker aus dem Dressurkader hat mit ICEMOON v. Caprimond einen vielversprechenden Crack unter dem Sattel. Uwe Schwanz, in Dressur und Springen bis zur höchsten Klasse erfolgreich, führte GINA v. Finley M zu Siegen in Springprüfungen der Klasse M/A.

Der Jugend gehört die Zukunft

Kein Wunder, dass sich Bayerns Trakehner Züchter um den Nachwuchs kaum Sorgen zu machen brauchen. Deutschlands südlichster Zuchtbezirk gehörte zu den Pionieren der Jungzüchter-Arbeit. Lange bevor andere Zuchtbezirke mit Pauken und Trompeten Jungelch-Lehrgänge aus der Taufe hoben, hatte Bayern seine Züchterjugend schon mustergültig in die alltägliche Zuchtarbeit und hinter die Kulissen größerer Veranstaltungen integriert. Freilich sind Bayerns Jungzüchter nicht diejenigen, die bei den eigens geschaffenen Wettbewerben zu den Dauersiegern gehören - auch wenn sie beispielsweise bei der letzten EM in Belgien gerade im Lager der älteren Gruppe gut vertreten waren -, aber wenn's ernst wird bei Turnier, ZSE oder Landesschau, sind sie für den Zuchtbezirk eine nicht mehr wegzudenkende Einsatztruppe unschlagbarer Stärke. Übrigens: Was Feiern und Teamgeist angeht, macht den Bayern so schnell auch keiner was vor ...

Die großen Gestüte

Wenn man an bayerische Trakehner denkt, fallen einem natürlich zunächst vier große Namen ein: das Gestüt Nannhofen der Baronin Lotzbeck, das Gut Schwaighof der Familie Zeising, das Gestüt Schralling von Hans Ernst Wezel und in jüngerer Zeit der Meierhot von Beate und Wolfgang Heise. Ältere Trakehner Freunde werden sich sicher auch noch an die prägenden Zuchtstätten Gut Postschwaige mit Vater und Sohn Werchau, den Floigerhof, Miesbach, Irene Reverchons herrliche Schimmel aus der Stutenfamilie der ELFE v. Adamas ox, das heute von der Tochter Michaela weitergeführte Gestüt von Dr. Wilhelm Schultz in Mühldorf/Inn und andere erinnern.

Das Gestüt Nannhofen, das Ende der fünfziger Jahre mit drei Stuten seinen Ausgang nahm, war von den beiden Beschälern PINDAR xx und vor allem KASSIO v. Abglanz geprägt. In den siebziger Jahren machten die Pferde dieser Zuchtstätte bundesweit Furore. GRISELDIS v. Pindar xx zum Beispiel avancierte zur Ia-Preisträgerin der DLG-Ausstellung Hannover 1972 und zur Siegerstute der ersten Trakehner Bundesschau 1975 - eine wahrhaft seltene Auszeichnung für eine Halbblutstute. In der Zucht vererbte sie ihr geradezu überirdisches Gangvermögen an vier gekörte Söhne, darunter mit GRIMSEL ein Körungs- und HLP-Reservesieger und mit GELRIA ein auch in Hannover anerkannter und stark genutzter Beschäler.

Allein 13 Söhne des Kassio aus der Nannhofener Zucht erhielten in Neumünster das positive Körurteil, darunter mit WALDZAUBER einer der besten Rapphengste der Nachkriegszucht. Auf den Landesschauen 1973 und 1978 errang die Kassio-Tochter LIUBA den Reservesieg, 1983 stand die Familie der KORNWEIHE v. Kassio unangefochten an der Spitze der Familiensammlungen. 1988 schließlich errang LILLEMOR v. Cornelius den Gesamtsieg der Landesschau.

Eine hochklassige Zucht hat sich Familie Zeising seit Anfang der sechziger Jahre auf dem Gut Schwaighof in der Nähe von Augsburg aufgebaut. Der Schwaighof ist eng verbunden mit dem Namen des Hengstes MAHARADSCHA; hier wirkten aber auch der wuchtige GERMANE v. Tannenberg, der Siegerhengst SANTIAGO v. Wie Ibikus und heute der nicht unumstrittene TOLSTOI v. Kostolany sowie der zuchtbewährte Vollblüter SIR SHOSTAKOVICH xx. Aus der Familie der Stammstute FLOCKE v. Gabriel gingen nicht nur die beiden Vollbrüder FLANEUR und M AHDI v. Maharadscha hervor; die beiden Tolstoi-Söhne FARINELLI und FREUDENFEST sorgten für einige Furore. Noch nie zuvor waren zwei Vollbrüder mit dem Titel des Körungssiegers in Neumünster bedacht worden.

Die Familie der Stammstute CORNELIA v. Famulus ist in den vergangenen Jahren mit sportiv geprägten Stutenmodellen aufgefallen, darunter CHAMONIX v. Kostolany (ZStE-Siegerin und Reservesiegerin der Landesschau 1994), COURAGE II und CASABLANCA v. Tolstoi. Die alte Hollatzsche Stutenfamilie der Hannelore ist über den Zweig der Hestria v. Donar mit den Töchtern HESTJA v. Germane und HERA XXIX v. Santiago vertreten. Mit der Braunen HERA v. Tolstoi wurde eine Tochter der letzteren „Beste Vierjährige" bei der ZStE 1999.

Aus kleinen Anfängen Mitte der sechziger Jahre bauten sich Hans Ernst Wezel und seine Frau Irene mit großen Anstrengungen ein Trakehner Gestüt vom Feinsten auf, das unter anderem 1998 zu den „Top Ten" der deutschen Trakehner-Zuchtstätten zählte. Den Namen Schralling verbindet man natürlich in erster Linie mit dem Ausnahmepferd PERON, Bronzemedaillengewinner Dressur der Olympiade 1996 in Atlanta/USA. Aus der knapp 40jährigen Zucht des Ehepaars Wezel stammen mit SCHARNHORST v. Kassio, INSTER GRADITZ v. Bonito xx und SCHENKENDORF v. Topki weitere drei in Neumünster gekörte Hengste, dazu mit DONAUZAUBER v. Karneol ein Siegerhengst und mit BLÜCHER v. Waitaki ein weiterer „Gekörter" beim Zuchtverband für Deutsche Pferde. Im Sport haben sich Schrallinger Pferde ebenfalls einen Namen machen können. Neben PERON in der Dressur waren im Vielseitigkeitssport der Hengst INSTER GRADITZ unter Thies Kaspereit und der Wallach SCHALK unter Hans-Martin Steisslinger bis zur schweren Klasse erfolgreich. Für seine Verdienste in der Zucht wurde Hans Ernst Wezel mit der Freiherr-von-Schrötter-Gedächtnismedaille und mit den Dr.-Fritz-Schilke-Gedächtnismedaillen in Silber und Gold ausgezeichnet.

Ebenfalls schon seit den sechziger Jahren züchten Beate und Wolfgang Heise auf dem Meierhof in Seeon Trakehner, in den letzten Jahren wurde der Stutenbestand deutlich erweitert. Aus der Familie der Elitestute ISOLA NFGRA ragt die Siegerstute der letzten Landesschau, ISOLA ISODORA v. Gadsby, heraus; die Familie der Elitestute KORSCHA trat mit der Eintragungssiegerin KIRSCHE v. Schneekönig ins Rampenlicht; die Engländerin SCHÜTZENFEST xx v. Presto xx brachte im Gestüt mittlerweile u.a. zwei Prämienanwärterinnen und einen gekörten Sohn. Auch mit HAGIA SOPHIA v. Pernambuco, Reservesiegerin der Eintragung, Siegerin des Zentral-Landwirtschaftsfestes und Klassensiegerin der letzten Landesschau, sowie mit der aktuellen Fintragungssiegerin HEUSCHRECKE v. Gadsby haben Beate und Wolfgang Heise mehr als deutlich bewiesen, dass sie ein gutes Händchen bei der Anpaarung ihrer Stuten haben.

In jüngerer Zeit gelingt es immer wieder auch kleineren Züchtern, mit herausragenden Pferden auf sich und die bayerische Trakehnerzucht aufmerksam zu machen. Spätestens seit der Landesschau 2001 konnten selbst norddeutsche Züchter den Namen Adolf Dörfler respektvoll buchstabieren. Aus einer einzigen Stammstute, UTA II v. Harlekin, baute der im vergangenen Jahr viel zu früh verstorbene echte Horseman mit einem goldenen Händchen für die richtigen Hengste eine Elitezucht auf. Mittlerweile sind vier gekörte Hengste aus dieser Zucht hervorgegangen, allen voran natürlich der erstklassige ULJANOFF v. Goldino. Die Elitestute ULRIKE v. Istanbul und ihre Töchter, hier vornehmlich ULLA v. Bartholdy, haben die Familie auf eine gesunde, breite Basis gestellt.

Alfons Gradl ist auch so ein Beispiel, der aus seiner Landeschau-Siegerfamilie 1994 der LARISS A v. Sokrates nicht nur den Bundeschampion LATIMER v. Saint Cloud, sondern auch die beiden Klassensiegerinnen LARA v. Caprimond (Mutter des Latimer) und LORI NA v. Saint Cloud zog. Oder Heinz Lembke aus Kaufbeuren im Allgäu, dessen WINDEALL v. Habicht nicht nur einmal für Schlagzeilen in Zucht und Sport sorgte.

JONGLEUR v. Bartholdy aus der Zucht von Dr. Friedrich Nüssel, Goldkronach, hält die Fahne der bayerischen Trakehner - u.a. als Bronze-Medaillengewinner der Zweispänner-Weltmeisterschaften 1997 - im Fahrsport hoch. Den Reigen an Beispielen soll die Zuchtstätte des passionierten Vielseitigkeits- und Jagdreiters Jörg Freiherr von Imhoff, Remlingen, beschließen; aus seiner sehr blutgeprägten Zucht stammt nicht nur der im Springsport und in der Zucht hocherfolgreiche PARFORCE v. Habicht, sondern auch dessen beide derzeit im Vielseitigkeitssport sehr erfolgreichen Töchter BANTEER (Dr. Matthias Baumann) und BUNBURY (Michael Jung), letztere übrigens mit der Staatsprämie bedacht.

Mit stetig zunehmenden Aktivitäten bringen sich auch die vom Zuchtbezirk Bayern mitbetreuten österreichischen Trakehnerzüchter ein. Rund 100 Mitglieder, davon 30 Züchter mit etwa 60 Stuten und knapp 70 Reiter sorgen für durchaus respektable züchterische und sportliche Erfolge.

Trakehner und die Landeszucht

Genauso wenig wie die bayerischen Reiter haben die bayerischen Wannblutzüchter an sich Vorbehalte gegen Trakehner. Besonders in den sechziger und siebziger Jahren nutzten sie das Angebot an ostpreußischem Edelblut, auch wenn in jüngerer Zeit seitens der Zuchtleitung wohl versucht wird, eigene Pfründe gegenüber den Trakehnern zu sichern. So drückte als erster KOMET, der wohl beste Nachkomme der legendären Hauptgestütsstute Kokette, der bayerischen Warmblutzucht vom Staatlichen Versuchsgut Achselschwang aus seinen Stempel auf - immerhin sah das Zentral-Landwirtschaftsfest 1968 eine seiner Töchter als Siegerstute. Komets Nachfolger ESCORIAL v. Kompaß sorgte für gute Springanlagen in der Zucht. Der polnische Trakehner AMOR hinterließ wichtige Gründerstuten im damaligen Stammgestüt Schwaiganger; der Schwaighofer MAHARADSCHA genoss größtes Ansehen in Bayern und hinterließ für das Landgestüt unter anderem MAHDI, Siegerhengst der bayerischen Hauptkörung. Mit LATERIT (hannoversch gezogen) und LATTICH (zunächst Landbeschäler in Landshut, später bei Familie Werchau) fanden zwei Söhne des Lateran Eingang in Bayerns Warmblutzucht.

Heute sind noch immer eine ganze Reihe von Trakehner Hengsten für die bayerische Zucht anerkannt, doch hält sich ihre Nutzung in engen Grenzen, und selbst Landstallmeister Dr. Eberhard Senckenberg muss mit seiner Vorliebe für ostpreußisches Edelblut gelegentlich hinter dem Berg halten ...

Distanz schafft Eigenständigkeit

Fluch und Segen zugleich ist für den Zuchtbezirk Bayern das Zauberwort „Distanz". Das gilt nicht nur für die im Vergleich zu anderen Zuchtbezirken sehr weiten Entfernungen innerhalb des Bezirks - wobei auch die Trakehner Züchter in Österreich und Italien von Bayern aus mitbetreut werden -, sondern auch für die Entfernung zur Zuchtleitung. Freilich lebt es sich so weit entfernt von der „Chefetage" in Neumünster ziemlich ungeniert. Viele Ideen können erst mal in Ruhe reifen und auf kleiner Ebene ausprobiert werden. Dennoch, bestätigt Dr. Lutz Schubert schmunzelnd, ist der Draht in die Zentrale gelegentlich eine ziemlich lange Leitung.

Schon lange ist Schubert beispielsweise der frühe Termin der Zentralen Eintragung ein Dorn im Auge. Dass seine Einschätzung goldrichtig ist, bewies der durchschlagende Erfolg der 2001 mit der Landesschau gekoppelten Eintragung im September: Die dreijährigen Stuten präsentierten sich um ein halbes Jahr reifer, was vor allem Blutstuten sehr entgegenkam, die Vierjährigen und Älteren waren nicht dem Streß einer Hochträchtigkeit oder gerade erfolgten Abfohlung unterworfen. Zwei Jahre später hat ein weiterer deutscher Zuchtbezirk leidvoll erfahren müssen, dass ein späterer Landesschautermin von den Züchtern weitaus besser angenommen wird ...

Dem sportlichen Einsatz der Pferde verbunden, hat der Visionär Schubert noch eine neue Idee für das nächste Jahr: Anläßlich der Zentralen Stuteneintragung würde er den Züchtern gern ein freiwilliges Freispringen und, wenn möglich, einen Halbblut-Ring anbieten.

Um Kasse und auch personelle Ressourcen zu schonen, sieht der Bezirksvorstand eine gute Möglichkeit darin, Zucht-, Sport- und Verkaufsaktivitäten in einer großen Veranstaltung zu bündeln - für das nächste Jahr ist eine solche Pilotveranstaltung geplant. Natürlich kann man so ein Groß-Event nur dann durchziehen, wenn eine entsprechende Anlage zur Verfügung steht. Aber da haben die Bayern einen echtes Trumpf-As im Ärmel: das Ostbayerische Pferdesport- und Turnierzentrum Kreuth. Die Traumanlage in der Oberpfalz bietet alles, was das Herz begehrt: Platz satt, unzählige Hallen und Außenplätze, Geländestrecken vom Feinsten, hochkarätige Ausbilder, Flair und Atmosphäre, die nötige Infrastruktur, ein eingespieltes Turnierteam und, last but not least, einen Betriebsleiter mit Faible für Trakehner.

Freilich stöhnen ob der längeren Anreise jetzt die Züchter auf, die bislang mit den beiden in Oberbayern gelegenen Veranstaltungsorten München-Riem und Wolnzach bequem gefahren sind. Im Endeffekt wird sich zeigen, welches die bessere Karte ist: der kurze Anfahrtsweg für einen Teil der großen Züchter oder der für die geplanten Veranstaltungen optimale Austragungsort. Die Trakehner Zucht ist nun mal eine Bundeszucht, und die Anreise zur Körung ins holsteinische Neumünster wird genauso akzeptiert wie die Fahrt zum Bundesturnier zum Beispiel auf den rheinischen Rodderberg. Und in einem zusammenwachsenden Europa hat Kreuth allemal eine weitaus zentralere Lage als etwa der von der Zuchtleitung favorisierte Veranstaltungsstandort Warendorf.

Dass die brisante Kombination aus südlichem Temperament und einem Quentchen Sturheit, aus Traditionsverbundenheit und der Suche nach neuen Wegen zum Erfolg, aus Individualität und Erwartungen an den Bezirksausschuss in Bayern nicht unbedingt einfach in den Griff zu bekommen ist, ist kein Geheimnis. An dieser Aufgabe haben sich schon einige Bezirksausschussvorsitzcnde aufgerieben. Doch die derzeitige „Großwetterlage" verzeiht mit Sicherheit keine Grabenkämpfe innerhalb des Zuchtbezirks. Wollen die Trakehner nicht den Anschluss verlieren, ist Zusammenhalt angesagt. Nur wenn das in Bayern überreichlich vorhandene züchterische Potential aller Lager produktiv genutzt wird, können Zuchtbezirk und Pferderasse gegen die mächtiger werdende Konkurrenz aus Deutschland und Europa bestehen. Dem Bezirksausschuss jedenfalls ist jeder willkommen, der Positives für das Trakehner Pferd einbringen möchte.

Karin Schweiger, 2001