So kennt man den "Busch-Ferrari" - immer flott unterwegs mit Dr. Matthias Baumann im Sattel.
Foto: Julia Rau

Galoppier- und Springvermögen rissen so manchen erfahrenen Beurteiler "vom Hocker": Banteer konnte auch ganz dick ...

Zerschlagene Olympiaträume: Bunbury hätte das Zeug gehabt, aber Boekelo 2003 machte alles zunichte. Banteers zwei Jahre jüngere Schwester ging "der Großen" mit dem Elitetitel bei den Trakehnern voraus

Auch Banteers und Bunburys ältere Schwester Blarney hatte das Zeug für eine Buschkarriere - sie war erfolgreich in Irland und ist mittlerweile mehrfache Mutter
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Als Jörg Freiherr von Imhoff bei einer seiner zahlreichen Irlandreisen für den sprichwörtlichen Appel und das Ei eine fünfjährige ungerittene Vollblutstute mitbrachte, hatte er sicher seine eigene Sportkarriere im Auge. Dass er mit dieser Stute den Grundstein für eine beispiellos erfolgreiche Trakehner Sportpferdezucht legen würde, hat er damals sicher noch nicht geahnt.
Punchestown Lady xx hieß die Stute - und ihr Auftritt unter Jörg von Imhoff bei der großen S-Vielseitigkeit in Achselschwang 1977 ging in die Annalen ein. Der legendäre Trakehner Habicht und die Vollblüterin gehörten zu den gerade mal sechs Pferden, die in dem höllisch schwer aufgebauten Geländekurs ohne Fehler blieben. Während Habicht die Prüfung unter Martin Plewa gewann, machte die irische Stute mit der schnellsten Runde im Cross und einem fehlerfreien Parcours ganze 39 Ränge gut und platzierte sich an 10. Stelle.
Das Pferdepaar aus Achselschwang machte auch in der Zucht von sich reden - das gemeinsame Kind der beiden wurde 1984 in Neumünster unter dem Namen Parforce gekört. Gilbert Böckmann ritt den Hengst erfolgreich in Springprüfungen bis zur Klasse S und Hans Magers stellte das braune Juwel auf seine Deckstation. Die Tür haben ihm die Stutenbesitzer wahrlich nicht eingerannt, und sie tun es auch heute noch nicht. Das kann ein Fehler sein, denn unter den wenigen Fohlen, die Parforce zeugen durfte, sind das über Jahre erfolgreichste Trakehner Springpferd PHANTOM TSF (Züchter: Karl Heinz Schulenburg, Reiterin: Stephanie Boniberger), MALVINO, der Dressur bis Klasse M und Springen bis Klasse S geht, FELLINO, der Dressurerfolge bis Klasse M aufweist - ja, und natürlich die beiden internationalen Vielseitigkeitspferde BANTEER und BUNBURY.
Nur am Rande: Parforce hat bei 24 eingetragenen Stuten inzwischen vier staatsprämierte Töchter und drei Elitestuten! Für eine vierte Tochter ist der Elitetitel beantragt. Damit gehört dieser Leistungshengst in die absolute Spitzengruppe der deutschen Trakehnerzucht - es gibt wenige andere Hengste, die ebenso viele oder mehr Elite-Töchter haben, noch dazu solche mit internationalen sportlichen Erfolgen.
Aber Jörg von Imhoff hat nicht nur Punchestown Lady xx aus Irland geholt - mit der Seminole-Tochter Ballyvergin Lady xx gelang ihm ein weiterer Glücksgriff. In Anpaarung an den harten, selbst leistungsgeprüften, aber auch nicht gerade beliebten Rotschimmel (oder richtigerweise: Roan) Insterfeuer zog er aus dieser Vollblüterin den Hengst BUKEPHALOS. In CCI**-Prüfungen siegreich, fand der große Schwarzschimmel erst in Kanada in der Zucht der Galten Farm bei Gerhard Schickedanz seine züchterische Chance. Bukephalos' Vollschwester Balzjagd wurde Mutter des BALZFLUG, der nicht nur selbst große Erfolge im Dressurviereck feierte, sondern in Deutschland und den Niederlanden als Deckhengst sehr gefragt war.
Mit dem deutschen Vollblüter Pasteur xx brachte Ballyvergin Lady xx die Tochter BACHCANTATE xx - und die hat sich jetzt mit ihren beiden Töchtern ein Denkmal der besonderen Art gesetzt. Auch hier ging aber nichts ohne eigene Leistung: Bachcantate xx ging erfolgreich Vielseitigkeitsprüfungen bis zur Klasse L, bevor sie ihre Gene weitergeben durfte. Jörg von Imhoff traf eine sehr weise Entscheidung, als er die Stute zu seinem selbst gezogenen Hengst Parforce brachte, denn so unterschiedlich die aus dieser Paarung gefallenen beiden Stuten sind, eines haben sie gemeinsam: den Willen und das Vermögen für den ganz großen Busch ... 1988 übrigens wurde das erste Fohlen aus dieser Verbindung geboren, eine wunderschöne Stute namens BLARNEY, die sechsjährig nach Irland verkauft wurde, wo ihr neuer Besitzer und Reiter Christoph Amerian gleich den ersten Start in einer Vielseitigkeitsprüfung zu einem Sieg machte. Blarney ist inzwischen mehrfache Mutter.
Die jüngere der beiden in Deutschland aktiven Vollschwestern, BUNBURY, holte sich in Musterschüler-Manier Verbands- und Staatsprämie, gewann ihre Stutenleistungsprüfung und brachte das hoffnungsvolle junge Reitertalent Michael Jung in den großen Sport. Als die beiden 2003 mit sensationellen Siegen und Top-Platzierungen auch den letzten Skeptiker von ihrer Klasse überzeugten, schien Olympia 2004 in greifbare Nähe gerückt. Eine schwere Verletzung im Gelände von Boekelo machte dann alle hochfliegenden Träume zunichte.
Glücklicherweise konnte die Stute so weit wiederhergestellt werden, dass einer Karriere als Mutter nichts im Wege stand. Aufgrund von Abstammung, Exterieurbeurteilung, Eigenleistung und der Fohlen wurde der Stute im vergangenen Jahr der Elitetitel des Trakehner Zuchtverbands zugesprochen. Bisher brachte Bunbury nach dem Vollblüter Kanudos xx den inzwischen unter von Imhoffs Schülerin Miriam Bray in Prüfungen bis Klasse L erfolgreichen BARGELLO und nach dem im Landgestüt Celle aufgestellten Vollblüter Sunlight xx ein Stutfohlen, bei dem der Brennkommission im letzten Jahr fast die Augen übergingen. Vielleicht holt ja die kleine BALLYCANEW nach, was ihrer Mutter verwehrt blieb ...
BANTEER, die ältere der beiden Schwestern, ist ein völlig anderes Pferd. Sie ist heute 15 und wurde 2003 in Kreuth "in perfektem Zustand" aus dem Sport verabschiedet. "Eine rührende Zeremonie", erinnert sich Jörg von Imhoff. Dietrich Nahr portraitiert sie: In der aktiven Zeit wurde die Stute mit allen möglichen Superlativen bedacht. Schon auf der Fohlenkoppel des Gestüts Altefeld in Hessen ließ die junge Stute ihr überschäumendes Temperament erahnen. Carsten Röhnert kanalisierte zunächst die Energie des jungen Pferdes, bevor Katrin Steinheuer, später Mannschaftseuropameisterin der Junioren, in den Sattel der rasanten Stute stieg und sich dabei "wie in der Formel Eins" fühlte, wie es in einem Bericht der Trakehner-Hefte heißt. Sechsjährig kam Banteer dann zu dem erfolgreichen Championatsreiter Dr. Matthias Baumann (Mannschaftsgold Seoul 1988, Teambronze in Stockholm und Barcelona). Der Veterinär denkt mit gemischten Gefühlen an die Stute: "Banteer ist das intelligenteste Pferd, das ich je geritten habe. In meiner Karriere hat mich kein Pferd so oft abgeworfen wie sie." Springsport-Legende Hans-Günter Winkler staunte nur noch: "Ich habe noch nie ein Pferd mit so einem Galoppiervermögen gesehen." Besitzer von Imhoff berichtet voller Stolz, dass Banteer ehedem als das "beste Pferde in der ganzen Szene" gegolten habe. Ein wahrer "Busch-Ferrari" sei sie gewesen; eine "Primadonna" ist sie heute noch, die auf der Koppel "alle Stuten mit einem Augenaufschlag im Griff hat". Der Höhepunkt der langen sportlichen Karriere von Banteer war der Drei-Sterne-Auftritt beim traditionell schweren Event im französischen Saumur im Jahr 2000.
Bisher ist Banteer Mutter von zwei Fohlen: Von dem Hengst Ticiano (v. Tagant xx), unter Stefan Rödl im Busch unterwegs, stammt der Sohn TALLY HO. Von dem genetisch sehr interessanten russischen Trakehner Heops (v. Herson), der selbst inzwischen Weltcup- und Nationenpreis-Platzierungen hat, brachte Banteer in diesem Jahr einen weiteren Sohn.
Auch Banteer hat die Kriterien für die höchste Ehrung des Trakehner Verbandes erfüllt und darf sich jetzt Elitestute nennen. Herzlichen Glückwunsch dazu an Züchter und Besitzer Jörg von Imhoff!
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