FALSTAFF, geb. 1968 v. Altgesell II u.d. Faschingsfest v. Faschingszauber, bewies in Kirow, welches Potential in ihm steckte

FAHARANI, ein Bild von einem Pferd, mit Sporterfolgen in allen drei Disziplinen unter Jochen Ullrich

oben und unten: FABELMOND, Prämienanwärterin und mit 1.68 m Stockmaß eine der größten ihrer Dynastie, kann bisher Erfolge in Dressurprüfungen bis Klasse M/A aufweisen

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Die Familie der Fabel zählte in der DDR nicht zu den ganz bedeutenden Stutenfamilien. Auffällig war hier jedoch die hohe Exterieurqualität der Vertreterinnen. Eine wahre Phalanx an Staatsprämienstuten darf sich zu dieser Linie zählen - und das trotz der oft recht geringen Größe, wohl ein Erbe des arabischen Blutanteils.
Die Familie geht auf die 1937 geborene dunkelbraune Stammstute FABEL v. Fiduz u.d. Susina v. Scaevola zurück, deren Mutter eine nicht eingetragene Stute unbekannter Abstammung war, aber einen Stutbuchbrand hatte. Züchter und Besitzer der Stute war die Familie Mertiens im Kreis Pogegen (Ostpreußen), die es später nach Wendorf im Kreis Wismar verschlug. Vier Zuchtjahre, vier Fohlen - so lautete die züchterische Bilanz der Fabel in schweren Zeiten. Ihre Tochter Faschingsfest v. Faschingszauber wurde als Zuchtstute eingetragen und legte - in der ehemaligen DDR auch später absolut keine Seltenheit - eine Stutenleistungsprüfung ab. Dieser Faschingszauber, von dem Fabel ihre einzige züchterisch eingesetzte Tochter hatte, war als Sohn der Faschingsnacht v. Pretal xx ein Halbbruder des Famulus, der in der westdeutschen Trakehnerzucht nach dem Krieg über den Sohn Maharadscha, den Enkel Flaneur und den Urenkel Arogno prägende Zuchtgeschichte schrieb.
Faschingsfest wechselte in ihrem Leben mehrmals den Besitzer, gehörte am Schluss dem VE Gestüt Ganschow. Zehn lebende Fohlen brachte sie in insgesamt 15 Zuchtjahren, von denen der Hengst Falstaff v. Altgesell II gekört wurde und die Töchter Sorgfältige v. Sorbet, Favoritin v. Altgesell II und Farinade v. Tower eingetragen wurden. Falstaff hatte in der Zucht Schwierigkeiten, Fuß zu fassen, seine Nachkommen waren unscheinbar. Da kam das Interesse des renommierten russischen Gestüts Kirow gerade recht - dort wollte man zum einen die Cancara-Linie wiederbeleben, zum anderen die hier nicht vorhandene Stutenfamilie etablieren. Nach wenigen Pachtjahren ging der Hengst zurück in die DDR, da seine Vererbung auch in Kirow als zu klein und zu leicht bewertet wurde. Doch als die Nachkommen älter wurden, schlugen sie im Sport zu - kaum eine bedeutendere Springprüfung, in der nicht Falstaff-Nachkommen vorne mit dabei waren. Kirow sicherte sich den Hengst erneut und setzte ihn von 1980 bis zu seinem Tod 1982 als Hauptbeschäler ein. Zur Nachzucht zählen so bedeutende Hengste wie Halif - Vater von Grif -, Efir - Vater von Deputant - und der Urenkel Kocheilan.
Faschingsfests Tochter Sorgfältige konnte keinen eigenen Zweig etablieren, sie und ihre Töchter lieferten jeweils immer nur eine eingetragene Stute. Die letzte war Frauke v. Vers I u.d. Florida v. Labirynth u.d. Teeblume v. Tertzky u.d. Sorgfältige. Frauke schied 1984 ohne eingetragenen Nachkommen aus.
Falstaffs Vollschwester, die Staatsprämienstute Favoritin, mit 96 Exterieurpunkten eingetragen, lieferte in Ganschow in zehn Zuchtjahren sieben Nachkommen, von denen vier als Zuchtstuten eingetragen wurden, drei stammten von Wespazjan, eine von Monsun x. Bedeutendste Tochter war die ebenfalls staatsprämiierte Fena v. Wespazjan, dessen Vater übrigens ein Halbbruder zu Humboldt ist. Sie erhielt auf der Elitestutenschau 1975 einen IIa-Preis, war leistungsgeprüft und im Vielseitigkeitssport erfolgreich. Sie konnte sich über ihre Monsun x-Tochter Fanzara, mit 94 Exterieurpunkten eingetragene Eliteschauteilnehmerin von 1980, bis in die Gegenwart durchsetzen. Fanzaras Tochter Fatima v. Faharadscha brachte den gekörten Sohn Fator, der leider mit der Wende unterging, die bei Freiherr von Senden stehende Tochter Fatmara und die in Bayern recht erfolgreiche Faharani v. Herbstruf.
Faharani aus der Zucht von Günther Schlegel, Hohenpolding, ein "Bild von einem Pferd", was ja bei ihrem Vater Herbstruf nicht immer selbstverständlich war, brillierte schon als noch unfertiges Pferd 1996 auf der Zentralen Eintragung in Bayern (Maße: 1.64, 20.5, Bewertung: 9,7,7/8,8,7/8), wurde auch in Neumünster ausgestellt und sahnte im selben Jahr beim Zentrallandwirtschaftsfest mit dem Ia-Preis als Klassen- und Bayernsiegerin ab. Sie ging recht erfolgreich im Sport - Springprüfungen bis Klasse M, Dressur und Vielseitigkeit bis Klasse L, ihre Lebensgewinnsumme liegt bei 1.488 Euro. Dass sie bei der Stutenleistungsprüfung mit der Gesamtnote 8,17 Reservesiegerin wurde, rundet das Bild weiter ab. Faharani war die Sorte Pferd, bei denen Genie und Wahnsinn eng beieinander lagen. So vermögend die Stute war, zuverlässig konnte man sie nicht nennen. "Bei ihr wusste man nie", so Reiter Jochen Ullrich, "ob man in der Dressur mit einer 4,0 oder einer 8,5 rauskam." Reiterlich war sie eigentlich nicht schwierig, aber sie stand sich gern mal selbst im Weg. Ihre Stärke war ganz eindeutig die Vielseitigkeit - und so manches Mal verblüffte sie bei der Zwangspause einer langen Prüfung die Tierärzte, weil sie mit PAT-Werten reinkam, mit denen andere Pferde wieder rausgingen ... 1997 hatte Faharani ein Fohlen v. Sedar, das leider 4jährig einging. Da sie die sportlichen Voraussetzungen für den Elitetitel bei den Trakehnern mit der Glanzsaison 2004 schon "in der Tasche" hatte, stellten Ullrichs bereits konkrete Überlegungen zum Vater des für den Titel noch nötigen zweiten Fohlen ans - doch es hat nicht sollen sein: Am 3.12.2004 musste dieses traumhaft schöne Pferd wegen Borna eingeschläfert werden ...
Staatsprämienstute Farinade v. Tower, dritte zuchterfolgreiche Enkelin der Familiengründerin Fabel, wurde 1965 in Ganschow geboren und hatte die Maße 1.63, 21.0, wurde mit 86 Exterieurpunkten eingetragen und lieferte in in fünf Zuchtjahren nur ein Fohlen, das unter dem Namen Florata eingetragen wurde. Die Wespazjan-Tochter, 1969 geboren, war gerade mal 1.54 m Stockmaß groß bei einer 18.0-Röhre und erhielt bei der Eintragung 80 Exterieurpunkte. Acht Zuchtjahre, sieben Fohlen, darunter zwei Zuchtstuten - das war die Bilanz dieser Stute. Ihre Tochter Florentine v. Labirynth, mit 85 Punkten eingetragen, hatte sechs Töchter, allerdings teilweise Edles Warmblut, die allesamt keine eingetragenen Nachkommen bei den Trakehnern hatten.
Florette III v. Alarm u.d. Florata, 1976 geboren, mit 87 Exterieurpunkten beurteilt und mit der Staatsprämie versehen, brachte in sieben Zuchtjahren sechs Fohlen, von denen Florie v. Trafaret in die Zucht ging. Der Vollbruder Figaro war in L-Dressuren platziert. Florie war mit 86 Punkten staatsprämiiert und leistungsgeprüft, erhielt 1986 bei der Elitestutenschau einen Ia-Preis. 1993 kam ihr Sohn Fehrbellin nach Neumünster, 1990 brachte sie die braune Flora v. Inkognito, die bisher mit sehr guten Fohlen von den Elitehengsten Caprimond und Hohenstein aufgefallen ist.
Die 1997 geborene Fabelmond v. Caprimond, inzwischen mit der Prämienanwartschaft versehen, geht unter dem Sattel ihrer Besitzerin Katharina Nehmer erfolgreich in Dressurprüfungen der Klasse M/A und ist auf dem Weg nach S. Das Hengstfohlen Final Countdown v. Hohenstein u.d. Flora ging für 16.000 DM als Preisspitze über die Medingern Herbstauktion, verunglückte dann aber leider und konnte so nicht für Neumünster vorbereitet werden. Ein weiterer Sohn des Hohenstein, jetzt vierjährig, steht zur Ausbildung bei Toni Elsner, der recht angetan von ihm ist. Platzierungen in Dressurprüfungen bis zur Klasse L hat inzwischen auch Floras Tochter Funkenmariechen v. Hohenstein, ebenfalls Prämienanwärterin.
Ein herzliches Dankeschön für die Informationen an
Friederike Winkler, Birgit Schulze, Katharina Nehmer, Melanie Heine, Hans Magers und Jochen Ullrich
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