Kasaried

Foto: unbekannt

EH Arogno
Db. *1976
Flaneur
B. *1965
Maharadscha
Sch. *1957
Flocke IV
B. *1959
Arcticonius xx
Db. *1968
Apollonius xx
F. *1953
Arctic Gail xx
Db. *1960
StPrSt. Karied
R. *1977
Schwalbenfreund
R. *1973
Impuls
B. *1953
PrElSt. Schwarze Schwalbe
Sb. *1963
Kassa
Sch. *1971
Gazal ShA
Sch. *1956
Kassava
Sch. *1961

09/00493/81 - Familie T7A Kassette (Hauptgestüt Trakehnen)
Braun
     *18.02.1981     abgem. 1995

Züchter: Georg Wilhelm Leicht, Leichthof, Biebelried (BAY)
Besitzer: Georg Wilhelm Leicht, Leichthof, Biebelried (BAY)
1995 Kathrin Knöss, Lauterbach

Maße: 1.65/20.5 - Bewertung: 9,8,6/9,8

Eigenleistung Staatsprämienstute
Stutenleistungsprüfung
Elitestutenqualität Mutter des gekörten Kafka und der Verbandsprämienstuten Kaperied und Kassaried
Zuchtleistung 14/12

Foto: unbekannt

86 S   v. Pascal SPS Kapried
87 S   v. Pascal Kaparied
88 S B v. Pascal PS Kaperied
89 S   v. Pascal Kapiried
91 W   v. Pascal Kaporied (LGS 1.386 €)
92 S   v. Salazar PS/SPS Kassaried
94 Stf   v. El im Cal xx  
95 H F v. El im Cal xx Kafka (ex Kaprizio)
96 S F v. Brentano II SPS Byzantina/Hann.
97 Hf   v. Brentano II  
98 S   v. Wolkenstein Wolkenspiel
99 Hf   v. Aleman  

Kasaried 17-jährig

Kasaried ist eine der typischen Vertreterinnen der Trakehnerzucht im Leichthof im fränkischen Biebelried. Der erst Ende vergangenen Jahres verstorbene Georg Wilhelm Leicht hatte hier mit drei Stammstuten aus Rantzau Anfang der Siebzigerjahre eine aus züchterischer und sportlicher Sicht überragende Zucht aufgebaut. Insbesondere der Stamm der Kassa, einer Urenkelin der legendären Hauptgestütsstute Kassette und Halbschwester des Beschälers Kufstein, gelangte vom Leichthof aus zu großer Blüte. Mit Kassas Tochter Karied nahm eine nunmehr über fünf Generationen anhaltende Dynastie von staatsprämierten Stuten ihren Ausgang.

Wie fast alle Pferde des Leichthofs musste auch Kasaried ihre Eignung als Reitpferd unter Beweis stellen – sie wurde zur Stutenleistungsprüfung auf Station nach Münster geschickt. Dort bescheinigte man ihr ein vorzügliches Interieur, und mit der Gesamtnote 7,48 gewann sie die Prüfung. Anschließend war sie in mehreren Reitpferdeprüfungen platziert und siegreich. Erst dann durfte sie in ihrer Mutterrolle aufgehen.

Sechsjährig vertrat sie die Farben ihrer Zuchtstätte auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest in München und kehrte mit einem I. Preis heim. Nach sechs Trakehnerfohlen veräußerte Leicht die Stute an Kathrin Knöss in Lauterbach, wo sie noch mehrere Fohlen von hannoversch gezogenen Beschälern für die hessische Warmblutzucht brachte.

Pedigree

Vater Arogno stellt mit Kasaried seine mittlerweile sechste Tochter mit Elitetitel. Der Halbblüter prägte die Gesamtzucht der Achtziger- und Neunzigerjahre in kaum je gekanntem Ausmaß; er zählt zweifellos zu den Hengstlegenden der Trakehnerzucht – da mag man höchstens einen Mahagoni zum Vergleich heranziehen, dessen Mutter Maharani II ja auch eine Tochter von Arognos Vater Flaneur war. Unter 14 in der Trakehner Zucht gekörten Söhnen dieses Halbblüters befinden sich allein sechs Prämienhengste. Mit Schwadroneur, Giorgio Armani, Napoleon Quatre, Wakond, Partout und Ivernel gingen sieben Söhne im Dressursport der Klasse S erfolgreich. Schwadroneur ist der „Held dänischer Dressurpferdezucht“, Karon und Traumdeuter haben in Oldenburg Wertvolles geleistet – und als Rittigkeitsvererber gelten sie allesamt.

Bernd Eylers charakterisierte diesen Ausnahmevererber wie folgt: „Arogno war ein sehr typvoller, geschmackvoller Hengst mit herrlichem Gesichtsausdruck und sehr harmonischen Körperpartien. Man bescheinigte ihm erstklassige Bewegungen und faszinierende Werte hinsichtlich Temperament und Charakter. Der Sohn des ähnlich hoch eingeschätzten Flaneur gilt als Stempelhengst in der Trakehner Zucht der Nachkriegszeit. Ohne Arogno wäre die Trakehner Zucht der letzten Jahre kaum denkbar. 1978 war er Reservesieger der Trakehner Körung in Neumünster, 1979 Vize-Bundeschampion in Münster und bester Trakehner der Hengstleistungsprüfung in Adelheidsdorf.“

Über Karon ist Arogno Großvater eines weiteren Stempelhengstes der derzeitigen Trakehnerzucht: Caprimond, der mittlerweile neben Erfolgen im großen Dressursport auch mit dem Elitehengst-Prädikat geadelte Söhne aufzuweisen hat. Anky van Grunsvens Partout dürfte einer der erfolgreichsten Arogno-Söhne im internationalen Sport gewesen sein.

Die Vollgeschwister Arogno, Avignon, Anna Karenina – Mutter des überzeugenden Beschälers Amatcho – und Arktis II – Reservesiegerstute der Bayerischen Landesschau 1988 und Mutter des Hengstes Arentino – und der ebenfalls gekörte Halbbruder Acajou (geb. 77 vom Flaneur-Sohn Damaskus) stellen die züchterische Bilanz der irischen Vollblüterin Arcticonius xx in der Trakehnerzucht. Arcticonius xx war nicht nur im Leistungsstutbuch D der FN eingetragen, ihr wurde auch der Titel einer Trakehner Elitestute angetragen.

Kasarieds Vater Arogno Kasarieds Muttervater Schwalbenfreund

Kasarieds Mutter Karied gehörte zu den ausgezeichneten Töchtern, die die Rantzauer Stute Kassa als wichtigste Begründerstute des Leichthofs im bayerischen Biebelried hinterließ.Sie trug den Titel einer Staatsprämienstute, ihre gut bestandene Leistungsprüfung verschaffte ihr Eintrag in das FN-Leistungsstutbuch A.

Karied trug die schwarze Jacke ihres Vaters Schwalbenfreund., der 1975 in Neumünster die Körarena als Siegerhengst verließ. Der in Erscheinung und Auftreten imponierende Hengst mit dem überaus korrekten, trockenen Fundament entsprang der Webelsgrunder Passerpaarung des Impuls an die Halbblüterin Schwarze Schwalbe, aus der zuvor schon die Beschäler Schwalbenflug und Schwalbenzug sowie die überragenden Stuten Schwalbenlied und Schwalbentreue hervorgegangen waren. Er begann seine Karriere im Gestüt Hörstein und ging 16-jährig nach Luxemburg. Seine züchterische Bilanz beläuft sich auf 42 Töchter im Stutbuch und Sportler wie die M-Dressurpferde Pusztafreund, Florian und Sancho, M-Springpferde wie Veronica und Smoky, deren Lebensgewinnsummen allesamt im guten vierstelligen DM-Bereich liegen, sowie das Fahrpferd Carino.

Karieds Mutter Kassa, eine mit 1.64 m Stock für eine Arabertochter recht stattliche Schimmelstute aus Rantzau, wurde nur elf Jahre alt und brachte in drei verschienen Zuchtstätten fünf Fohlen. Bedeutung erlangte neben Karied nur der Sohn Kajoried v. Insterruf, der Erfolge in Springprüfungen bis zur Klasse L hatte. Kassas Vater war der Babolnaer Shagya-Araber Gazal. Als Siebenjähriger in Westercelle leistungsgeprüft, hinterließ der großrahmige Schimmel mit betonter Spring- und Geländeeignung vor allem in seiner Zeit in Hunnesrück und Rantzau deutliche Spuren in der Trakehnerzucht. Die Söhne Pelzjäger, Heidedorn und Polarschnee sowie 25 eingetragene Töchter stellen seine züchterische Bilanz.

Kassas Mutter, die Traumulus-Tochter Kassave, war eine Halbschwester der Bundes- und Landesschau-Prämienträgerin Kantilene und des Beschälers Kampfgeist, beide v. Traumgeist xx. Auch Kassave wurde nur 12 Jahre alt, unter ihrer Nachzucht dürfte der im württembergischen Marbach eingesetzte Landbeschäler Kufstein v. Märchenstein der wichtigste sein. Kassava war eine der sechs zuchtdominierenden Töchter der herrlichen Hauptgestütsstute Kassette, die mit ihrem hohen arabischen und englischen Vollblutanteil entscheidend zur Entwicklung des Trakehner Edelpferdes in Westdeutschland beigetragen hat.

Ihr Vater Aquavit, als 1.70 m Stock großer Hengst seinerzeit als "übergroß" bezeichnet, hatte nur ein kurzes Leben, vermochte es aber, sich in Rantzau gemäß seiner hervorragenden Abstammung sehr positiv zu vererben. Sein Vater war Absinth, der Vollbruder zu Abglanz' Mutter Abendluft. Seine Mutter Klugheit v. Liebenberg ist auch Mutter der DLG-prämierten Klausur v. Totilas und Urgroßmutter des Beschälers Klient.

Nachzucht

Kasaried zählt zu den Stuten in der Zucht, die gute Nachzucht nicht nur mit einem Hengst brachten – in aller Regel ein Zeichen für große Vererbungstreue und außergewöhnliche Zuchtqualität. Vom langjährigen Leichthofer Hauptbeschäler Pascal, einem Matador-Sohn mit eklatanter Doppelveranlagung und Doppelvererbung, brachte Kasaried die beiden prämierten Töchter Kapried und Kaperied sowie das Sportpferd Kaporied.

Kapried trägt die Staatsprämie und war Siegerin ihrer Stutenleistungsprüfung. Sie fand neue Besitzer in Herrieden, wo sie dressurmäßig bis Klasse L geritten und auch züchterisch eingesetzt wurde.

Kaperied wäre, wenn die Veranstaltung damals nicht wegen Seuchengefahr ausgefallen wäre, Siegerin ihrer Eintragung gewesen – sie war in dem Jahr die punktbeste aller natürlich dezentral eingetragenen Stuten in Bayern. Und sie tat es ihrer älteren Schwester nach: Auch sie gewann ihre Stutenleistungsprüfung. Zudem ging sie – vielbewundert – anlässlich der Bundesstutenschau 1997 in Neustadt/Dosse in der Ehrenklasse.

Kasarieds verbandsprämierte Tochter Kaperied v. Pascal
hatte bisher Nachzucht von Salazar, El im Cal xx, Parforce und Polarion


Kaporied ging mit guten Erfolgen im Vielseitigkeitssport und diente anschließend einer jungen Reiterin als Lehrpferd für Dressur und kleinere Springprüfungen.

Salazar, ein sehr interessanter und sicher wertvoller Beschäler, der der Zucht leider durch eine vermasselte Leistungsprüfung verloren ging, ist der Vater von Kasarieds doppelt prämierter Tochter Kassaried.

Kasarieds doppelt prämierte Tochter Kassaried v. Salazar – links 2007 mit Hengstfohlen v. Oliver Twist.
Rechts Kassarieds Tochter PrAnw. Kamontana v. Monteverdi

Kassaried ist Mutter des Dressupferdes Kahoried v. Hohenstein, des hoffnungsvollen Nachwuchs-Buschpferdes Kastaried v. Starway (Stall Six), der leider im Herbst vergangenen Jahres verletzungsbedingt eingeschläfert werden musste, und der doppelt prämierten Top-Stute Kaharied v. EH Hohenstein, die schon als Siegerin des bayerischen Fohlenchampionats begeistern konnte. Mittlerweile steht sehr gute Nachzucht von Grafenstolz im Züchterstall: Kafried, Reservesiegerin von Eintragung und Leistungsprüfung, selbst bis Klasse L im Busch erfolgreich und Mutter eines Hengstanwärters in Neumünster 2008 bzw. Münster-Handorf 2009, sowie Karied II, Auktionsfohlen in Neumünster, sind schon auf der Bühne der züchterischen Highlights aufgetreten. Zudem brachte Kassaried das Nachwuchspferd Katamboried v. Tambour (Stall Steiner, Meitingen) und mit Kamontana v. Monteverdi eine Prämienanwärterin der letztjährigen Zentralen Eintragung in Bayern. Sie konnte sich bei ihrem ersten Start in einer Reitpferdeprüfung bereits platzieren.

Von dem brasilianischen Vollblüter El im Cal xx fohlte Kasaried schließlich für die Trakehner den gekörten Kafka, dem bedauerlicherweise nur ein recht kurzes Leben beschieden war.

Kafka

Der springgewaltige Fuchs, auf der Körung noch unter dem Namen Kaprizio, gehörte sicherlich zu den besseren Hengsten der jüngeren Zucht, erhielt nur leider verletzungsbedingt viel zu wenig Chancen. Eine HLP hat er nie ablegen können, und während seiner zwei Decksaisons konnte er ebenfalls kaum eingesetzt werden. Bereits mit sechs Jahren musste er sein Leben aushauchen.

Auch in der Hannoveranerzucht konnte sich eine Kasaried-Tochter hervorragend bewähren: Byzantina vom hannoverschen Starvererber Brentano II hat mit ihrer Nachzucht Maßstäbe gesetzt: Ihre Tochter Londy's Princess v. Londonderry war 2005 Beste Stute der Schau in Göttingen. Den Erfolg wiederholte Princess' Vollschwester Lovely Kiss 2006. Lovely Kiss wurde 2008 auf Anregung des hannoverschen Verbandes aufgrund ihres hohen Adels mit dem letzten noch lebenden Vertreter der G-Linie angepaart. Das Hengstfohlen vom Grande-Sohn Galvano verspricht derzeit die Hoffnungen zu erfüllen, die Verband und Züchterin in diese Anpaarung gesetzt haben.

Kasarieds Tochter Byzantina v. Brentano II bewährte sich in der hannoverschen Zucht

Wolkenspiel v. Wolkenstein I war 1998 Gesamtsiegerfohlen der hannoverschen Fohlenschau in Fulda/Hessen.

Text und ©: Karin Schweiger 2009
Fotos: Kathrin Knöß, HP Hämelschenburg, Hengstbuch, Jutta Bauernschmitt, www.dmjhorses.com