Lana Lee



Habicht
R. *1967
Burnus AAH
B. *1948
Lapis (Ar.)
Sch. *1938
68 Fenèk V
F. *1939
Hallo
R. *1952
Goldregen
B. *1943
Handschelle
R. *1940
Laura Lee
R. *1987
Sarafan
R *1977
Martin
F. *1968
Sandra VII
R. *1971
Lilofee VI
F. *1979
Mahdi
F. *1964
Lorinde II
F. *1971

09/09004/91 - Familie O290 der Lissa (Bär-Langenbrombach)
Rappe
     *17.04.1991

Züchter: Dr. Sabine Prager-Kaiser, Bad Kötzting (BAY)
Besitzer: Dr. Sabine Prager-Kaiser, Bad Kötzting (BAY)

Maße: 1.62/20.0 - Bewertung: 7,7,8/8,8,8/8

Eigenleistung Verbandsprämienstute
Stutenleistungsprüfung
Siege und Platzierungen in Dressur bis Intermédiaire I
Elitestutenqualität Sporterfolge und Geburt zweier lebender Fohlen
Zuchtleistung 2/2


Lana Lee im Dressurviereck, hier fünfjährig von Rainer Dill mit der Kamera eingefangen

06 H R v. EH Gribaldi Leebello +
08 H R v. EH Gribaldi Leeonardi

Mit der Geburt ihres zweiten Fohlens erfüllte die jetzt 17-jährige Rappstute Lana Lee im April des Jahres die Voraussetzungen für die Verleihung des Elitestuten-Titels durch den Trakehner Verband. Eigentlich war ihr vom Papier und dem gewählten Beritt her eine völlig andere Karriere vorgezeichnet. Doch erstens kommt es ja meist anders als man zweitens denkt ...

Dass Lana Lee ein sehr gutes Pferd war, daran hatte Züchterin Dr. Sabine Prager-Kaiser schon in jungen Jahren keinen Zweifel. Schließlich hat sie sie selbst angeritten. Bereits bei ihrer Eintragung war die Stute viertbestes Pferd ihres Jahrgangs - und das wollte bei den damaligen Lotstärken schon etwas heißen! Ihre Stutenleistungsprüfung legte sie auf Station in Ansbach ab. Eine 7,4 gaben ihr die Richter als Gesamtnote, und auch damit lag Lana Lee auf Platz 4 des gesamten Feldes - die Verbandsprämie durfte ihre Züchterin schon auf dem Konto verbuchen.

Vierjährig trat Lana Lee ihren Siegeszug im Turniersport an - sie war 3. im Süddeutschen Championat, 3. beim Trakehner Bundesturnier in Köln, siegte beim "Tag des Jungen Pferdes" in Ansbach und belegte auch beim Bundeschampionat in Warendorf Platz 11. Carmen Berger-Mangelkramer, in jungen Jahren Junioren-Europameisterin in der Vielseitigkeit, hatte die Stute für eine Karriere im Busch vorgesehen. Kein Wunder, die Abstammung lud ja geradezu ein zu solchen Vorhaben! In ihrer ersten Geländepferdeprüfung Klasse A als Vierjährige war Lana Lee denn auch gleich 2.

Doch dann passierte, was jeder Buschreiter fürchtet: Die Stute rumpelte in einer Prüfung in einen Sprung und überschlug sich. Carmen Berger-Mangelkramer ließ das Geländetraining erstmal sein und ritt Reitpferde-, Eignungs- und Dressurpferdeprüfungen. Fünfjährig versuchte sie es erneut mit einer Vs der Klasse A, doch Lana Lee hatte nicht vergessen. Sie ging den Cross sehr zögerlich an, und nach Sprung 6 nahm Carmen Berger-Mangelkramer die Stute aus der Prüfung. Da Lana Lee zudem im Springen recht nervig war, während der Dressurarbeit aber sehr konzentriert bei der Sache war, beschloss die erfahrene Reiterin, die Buschambitionen mit Lana Lee aufzugeben.

Keine schlechte Entscheidung, denn die selbstbewusste Stute erwies sich als Musterkind im großen Viereck. In acht gemeinsamen Jahren arbeiteten sich Lana Lee und Carmen Berger-Mangelkramer bis in die Königsklasse vor - auch für Carmen Neuland in der Pferdeausbildung. Zum Ende der Saison 2004 hatte Lana Lee eine Lebensgewinnsumme von 4.933 € sowie Siege und Platzierungen bis zur Intermédiaire I vorzuweisen.

Es wäre wohl noch mehr "drin" gewesen, aber Dr. Sabine Prager-Kaiser wollte ihr Juwel natürlich auch noch in der Zucht einsetzen. So tauschte Lana Lee den Dressursattel und das Nomadenleben eines Turnierpferdes gegen den manchmal sicher genauso anstrengenden Job der Kindererziehung. Obwohl sie schon immer wusste, was sie an dieser Klassestute hatte, kann Carmen Berger-Mangelkramer erst jetzt so richtig einschätzen, wie außergewöhnlich Lana Lee für sie war: "Es war so leicht, diese Stute auszubilden," sagt sie. "Das habe ich bisher noch nicht wieder erleben dürfen."

Pedigree

Lana Lees Vater Habicht war der Hengst, der das Araberblut in der westdeutschen Trakehnerzucht so richtig salonfähig machte. Der in Schmoel geborene und aufgewachsene schwarze Sohn des angloarabischen Halbblüters Burnus und der mächtigen Handschelle-Tochter Hallo dürfte einer der bedeutendsten Vererber der Nachkriegszucht gewesen sein. Seine Ausstrahlung und sein Auftreten allein machten schon das etwas kurze Mittelstück und seinen leicht fuchtelnden Gang vergessen. Von 1974 bis 1979 hatte der Hengst im Besitz des Trakehner Fördervereins Erfolge in schweren internationalen Vielseitigkeitsprüfungen, u.a. gewann er in der denkwürdigen Prüfung in Achselschwang 1977.

Sein Deckeinsatz in den Gestüten Rantzau, Gorlo und Hörstein prägte ein Trakehner Leistungspferd, das es bis dato nach dem Kriege noch nicht wieder gegeben hat. 13 Söhne, darunter der Olympionike Windfall, die Springpferde Parforce, Sixtus und Vivus sowie die Dressupferde Balzflug und Empire haben die Habicht-Leistungslinie auf eine ungemein breite Basis gestellt. Töchter wie Alte Zeit bei Asböcks, die vierfache Hengstmutter Arwetta, die Rantzauerin Domina VI, die Elitestute Serenade XVI im Gestüt Hörstein und Kanadas "First Lady" Palma Nigra legen beredtes Zeugnis von der züchterischen Durchsetzungskraft ihres Erzeugers Habicht ab. Doch nicht nur für die Zucht hinterließ Habicht mehr als Bedeutendes. Die Sporterfolge seiner Kinder vor allem im Springen und der Vielseitigkeit sind Legion und lassen sich hier kaum aufzählen.

Lana Lees Vater Habicht Lana Lees Muttervater Sarafan

Lana Lee entstammt einer sehr schmalen und bisher wenig in den Vordergrund getretenen Stutenfamilie. Stammstute war die 1939 geborene Fuchsstute Lissa. Wer die mit 1.62 m Stock für ihre Zeit respektabel große Stute gezogen hat, das ist in den Kriegswirren in Vergessenheit geraten, doch weist sie ihr Papier als hervorragend gezogen aus: Löwenritt/Eichendorf/Löwe lautet die Abstammung, womit ihr Blutbild mit einer Inzucht in 2./3. Generation auf Löwe und in 3./3. Ahnenreihe auf Dampfross sehr gefestigt war. Dem Zuchtstall Bär in Langenbrombach im Odenwaldkreis schenkte sie bis zu ihrem Tod 1957 acht Fohlen, darunter die mit 1,2,2,/1,2 hervorragend bewertete und nach Kolumbien verkaufte Liesa v. Perlenfischer sowie die Turnierpferde Linde v. Herold, Luzifer II und Feisal (Smoky), beide v. Feuergeist - letzterer hat Erfolge im Vielseitigkeitssport bis zur Klasse L.

Den Platz ihrer Mutter in der Zucht von Adam Bär nahm Lissas jüngste Tochter Linda v. Feuergeist ein. Feuergeist war ein Sohn des geradezu legendären Arabers Fetysz ox aus einer Hirtensang/Dampfross-Tochter, stand 13 Jahre in der Zucht und hinterließ zwei eingetragene Töchter. Linda brachte ihrem Züchter 12 Fohlen, darunter das L-Springpferd Leopardo v. Scipio und den in Materialprüfungen erfolgreichen Kobold XII v. Kosmos. Lindenblüte v. Kosmos führte die Familie in anderer Zuchtstätte fort und brachte neben dem L-Springpferd Ludwig v. Gobelin drei eingetragene Töchter. Lajenka v. Adonis xx, selbst in Basisprüfungen erfolgreich vorgestellt, brachte das L-Dressurpferd Lorbas v. Tannenfels. Lissa III v. Gobelin brachte das M-Dressurpferd Laurin v. Hanseat und eine eingetragene Tochter.

Lissas Tochter Lindenblüte II war 1965 geboren und hatte Adonis xx zum Vater, jenen Hengst, der als erster Vollblüter in Oldenburg die Umzüchtung zum modernen Sportpferd einläutete und in fünf Deckjahren vor seinem Verkauf ans Landgestüt Dillenburg 10 gekörte Söhne, 26 Prämienstuten und 14 Auktionspferde lieferte. Neun Fohlen brachte Lindenblüte II, darunter Lausbub v. Donauwind, der in Springen bis Klasse M, im Vielseitigkeitssport bis Klasse L und zudem im Fahrsport Turniererfolge hatte.

Lindenblütes Carajan-Tochter Lorinde II, eine 1.58 m Stock große Fuchsstute, die seinerzeit von Dr. Gertrud Freiin von Lotzbeck mit den Noten 3,3,3/2,3 eingetragen wurde, brachte der Zucht bis zu ihrem Ausscheiden im Alter von 10 Jahren in fünf Zuchtjahren fünf Fohlen. Zwei ihrer Töchter verzeichnet das Trakehner Stutbuch: Die 1977 geborene La Princess v. Prince Condé, die die FN im Leistungsstutbuch D führt, wurde u.a. Mutter der La Success v. Sixtus, und Lilofee VI v. Mahdi wurde u.a. Mutter der Laura Lee. La Success verkaufte ihre Züchterin als Fohlen, doch traf sie das Schicksal eines aufgrund familiärer Probleme unbeschäftigt herumstehenden Pferdes, weshalb Dr. Sabine Prager-Kaiser sie im Alter von 12 Jahren für ihre Zucht zurückkaufte.

Lilofees Tochter Laura Lee war eine rappfarbene Tochter des Sarafan, womit sie das wertvolle und selten gewordene Springblut des Carajan in 3./3. Generation doppelt führt. Sarafan ist mit seinen heute 31 Jahren der älteste noch aktiv gemeldete Beschäler der Trakehnerzucht - und er ist nicht nur gemeldet, sondern deckt auch noch erfolgreich, wie einige Fohlen aus diesem Jahr beweisen.

Laura Lee legte eine gute Stutenleistungsprüfung in München-Riem ab, war ein Pferd mit unerschütterlichem Charakter und als "Kindermädchen" für den zweibeinigen Nachwuchs des Hauses Prager-Kaiser unersetzlich. Ihrer Züchterin schenkte sie acht Fohlen, darunter Luxsana Lee v. Sixtus, die Springerfolge bis Klasse L hat, Leeland v. Windfall, der bisher Dressurerfolge bis Klasse L errang, Lusiana Lee v. St.Cloud, die in die USA ging, und Lee du Forêt v. Lafayette, der nicht nur in Springpferdeprüfungen bis zur Klasse L erfolgreich war, sondern auch als beliebtes Ritterpferd in Furth im Wald fungiert. Leewind v. Windfall, der sich so gut im Sport anließ, ging leider vierjährig an Kolik ein.

Laura Lees bestes und erfolgreichstes Fohlen ist natürlich ihr Erstlingsfohlen Lana Lee, die deshalb auch früh genug aus dem Sport genommen wurde, um nunmehr ihre Mutter in der Zucht zu ersetzen.


Lana Lee mit ihrem Leeonardi, ihre nahe Verwandte La Success kurz vor der Geburt und deren 2-jähriger Gribaldi-Sohn Leebertos auf den heimischen Koppeln (v.r.)

Nachzucht

2005 beendete Lana Lee ihre Sportkarriere und trat die Nachfolge ihrer Mutter in der Zucht von Dr. Sabine Prager-Kaiser im bayerischen Bad Kötzting-Grafenwiesen an. Ihre Züchterin entschied sich angesichts der bewiesenen Dressurveranlagung der Stute für eine Anpaarung an einen Dressurhengst - und wer hätte sich da besser geeignet, als der derzeit erfolgreichste Trakehner Hengst in der Weltrangliste? Als ein Hengst, der nicht nur den Elitetitel des deutschen Trakehner Verbandes führt, sondern in den Niederlanden Keur-Hengst ist? Der noch dazu von erlesener Abstammung ist und seine Leistung nicht "nur" selbst zeigt, sondern auch genetisch abgesichert hat? Gribaldi war die Wahl, und Lana Lee wartete 2006 mit einem schicken Hengstfohlen auf. Leebello galten viele Hoffnungen seiner Züchterin, doch der Herrgott hatte Anderes mit ihm vor - im Alter von gerade mal fünf Wochen verunglückte der kleine Hengst so schwer, dass er erlöst werden musste.

Leeonardi

Die Anpaarung hatte ganz offensichtlich gepasst, das Fohlen war sehr gelungen. Und so ließ Dr. Sabine Prager-Kaiser Lana Lee im Jahre 2007 erneut von Gribaldi besamen. Am 21. April 2008 schenkte Lana Lee ihrem zweiten Fohlen das Leben. Und auch Leeonardi gibt Anlass zu großen Hoffnungen. Anlässlich des Fohlenbrennens überzeugte er die Kommission mit Typ und guten Grundgangarten, unter denen vor allem der Trab zu gefallen wusste. Da ist der Weg in den Sport als Nachfolger seiner Mutter durchaus vorgezeichnet ...

Text und ©: Karin Schweiger 2008
Fotos: privat, Hengstbuch, R.Dill