Der braune Wallach Lucca aus der Zucht des bayerischen Gestüts Nannhofen (Dr. Gertrud Baronin von Lotzbeck) gehörte jahrelang zu den besseren Jagdpferden in Bayern. Für seinen Besitzer und Reiter Clemens von Welck, der ihn fünfjährig bekam, war er das beste Pferd, das er je unter dem Sattel hatte. Er schildert ihn als etwa 1,73 m Stock groß, mit gutem Schritt, wunderbarem Galopp und etwas knappem Trab. Sehr springfreudig war er, und er machte auch nach jahrelanger Jagderfahrung noch immer gewaltige Sätze über die Hindernisse. Mit seiner Ausdauer konnten auch nicht viele mithalten, und trotz der vielen schweren Jagden hatte Lucca nie eine dicke Sehne.
Lucca war ein Dreiviertelblüter und stammte von dem brasilianisch-französisch gezogenen El im Cal xx, dessen Zuchtkarriere einst bei Paul Schockemöhle ihren Ausgang nahm. Der 1982 geborene Hengst hat nie eine Rennbahn gesehen, legte seine Leistungsprüfung in Münster-Handorf als 3. seines Feldes ab und ging bis zu seinem 6. Lebensjahr in Springprüfungen mit Siegen bis zur Klasse M. Der Trakehnerzucht hinterließ El im Cal xx 38 eingetragene Töchter, davon eine mit der Staatsprämie, und mit Kafka einen gekörten Sohn. Seine Kinder tauchen im Turniersport vornehmlich erfolgreich in Springprüfungen auf. Luccas Mutter Lebensfreude war eine Vollschwester zum S-Dressurpferd Lafredo (Martina Hertwig, Bremen) und stammte von Frescobaldi xx, einem ehemaligen Celler Landbeschäler, der in seinen letzten Lebensjahren im Gestüt Nannhofen eine reelle züchterische Chance bekam.
Im Herbst 2001 ging Lucca seine erste Meutejagd in Sedlbrunn hinter der Bayern-Meute unter Toni Wiedemann. Es folgten noch insgesamt fast 50 Schleppjagden, bei denen Lucca in den letzten beiden Jahren als Equipagenpferd hervorragende Dienste leistete. Die Hunde konnten beim Anlegen der Schleppe unter ihm durchrennen, ohne dass er eine Miene verzog. Beim Curree und in den Pausen war er immer das Lieblingspferd der Mädchen, die ihn gerne trockenritten. Nur auf Wassertrense geritten, ließ Lucca sich immer leicht zurücknehmen, selbst aus vollem Galopp im Jagdfeld. Auch unter Frau von Welck ging der Wallach – sie ritt ihn dieses Jahr beim Junghundetraining der Hardtmeute in Frankreich und bei der Frühjahrsjagd in Marbach zum Schleppe legen.
Seine letzte Jagd ging er als Equipagenpferd bei einer Vier-Meuten-Jagd in Mittelreidenbach/Pfalz am 8. Juli mit über 70 Hunden.
Am 16. Juli ließ der Wallach sich beim Umzug eines historischen Festspiels von einem scheuenden Pferd anstecken, stieg, stürzte und brach sich das Genick. Clemens von Welck hat mit ihm einen liebenswerten Kameraden verloren, der stets gut gelaunt und leistungsbereit war.