Happy Birthday:

Der Elitestuten- und Sportpferdemacher

2007 feiert eines der "verkannten Genies" der Trakehnerzucht bei bester Gesundheit und Fitness seinen 25. Geburtstag: Parforce, der Dreiviertelblüter aus der Zucht von Jörg Freiherr von Imhoff (Schloss Remlingen bei Würzburg) und dem Besitz von Hans Magers (Wöllriederhof in Rottendorf).

Foto: Jutta Bauernschmitt
Habicht Burnus AAH Lapis 561 Siglavy II-22
Phänomen
68 Fenék V Fenék V
66 Major
Hallo Goldregen Creon
Goldelse
Handschelle Polarstern
Handelskammer
Punchestown Lady xx Wily Trout xx Le Sage xx Chamossaire xx
Miss Know All xx
Luggeen xx Panorama xx
Delage xx
Actina xx Fortina xx Formor xx
Bertina xx
React xx Glendrostan xx
Queen of the Swallow Tails xx
Hengstlinie des Vaters: Burnus
Stutenfamilie der Mutter: E11 Sedbury Royal Mare

Braun, bd. Hfsl. unreg. gefl. w.
geb. 8. Mai 1982
Maße: 1.67 / 20.8
Z/Az: Jörg Freiher von Imhoff, Schloss Reichenberg
gekört: 1984 Neumünster
B (1984-1996): K.H. Schulenburg, Gestüt Griebeler Höhe, Kasseedorf (SH)
(seit 1997): Hans Magers, Wöllriederhof, Rottendorf

ESt. BANTEER, der "Busch-Ferrari" - immer flott unterwegs mit Dr. Matthias Baumann im Sattel.
Foto: Julia Rau

Zerschlagene Olympiaträume: StPrSt, PrSt u ESt BUNBURY hätte das Zeug gehabt, aber Boekelo 2003 machte alles zunichte

Woran misst man die Qualität eines Vererbers? In jungen Jahren an seinem Exterieur, den Grundgangarten und dem Springvermögen – und man hofft, dass er dem gerecht wird, was seine Abstammung verspricht. Später muss er sich unter dem Sattel beweisen, und danach sind es seine Nachkommen, die auf Zuchtschauen und im Sport geprüft werden. Ein Hengst, der all diese Kriterien mit Bravour erfüllt, ist Parforce, der in diesem Jahr auf ein Vierteljahrhundert bewegtes Leben zurückblicken kann.

Als Jörg Freiherr von Imhoff bei einer seiner zahlreichen Irlandreisen für den sprichwörtlichen Appel und das Ei eine fünfjährige ungerittene Vollblutstute mitbrachte, hatte er sicher seine eigene Sportkarriere im Auge. Dass er mit dieser Stute den Grundstein für eine beispiellos erfolgreiche Trakehner Sportpferdezucht legen würde, hat er damals sicher noch nicht geahnt. Punchestown Lady xx hieß die Stute – und ihr Auftritt unter Jörg von Imhoff bei der großen S-Vielseitigkeit in Achselschwang 1977 ging in die Annalen ein. Der legendäre Trakehner Habicht und die Vollblüterin gehörten zu den gerade mal sechs Pferden, die in dem höllisch schwer aufgebauten Geländekurs ohne Fehler blieben. Während Habicht die Prüfung unter Martin Plewa gewann, machte die irische Stute mit der schnellsten Runde im Cross und einem fehlerfreien Parcours ganze 39 Ränge gut und platzierte sich an 10. Stelle.

Der braune Sohn dieser beiden Buschcracks wurde 1982 geboren. Anlässlich seiner Körung 1984 präsentierte er sich antrittsstark in der Bewegung und mit vermögendem Springen – auf dieser Körung konnten die Kandidaten erstmals, damals noch freiwillig, ihr Springtalent unter Beweis stellen. Als Dreiviertelblüter stand er dabei noch stark in der Entwicklung. In den folgenden Jahren hat Parforce deutlich ausgelegt und sich zu einem Hengst von bedeutendem Format entwickelt.

Der Vater Habicht stammt von dem angloarabischen Halbblüter Burnus, der mit Dr. Reiner Klimke vor dessen Dressurkarriere im Busch internationale Erfolge sammelte. Habicht war und ist eine Säule der Trakehner Leistungszucht in der Nachkriegszeit. Seine Nachkommen sammeln seit Ende der 70er Jahre bis heute Erfolge in allen Disziplinen auf internationalem Niveau: Livius v. Habicht und Ann Kursinski (USA) waren in den 80er Jahren hoch­erfolgreich im Springen, Windfall v. Habicht war 2003 laut WBFSH-Weltrangliste der beste Eventer weltweit, um nur zwei herausragende Nachkommen zu nennen!

Mit den beiden im internationalen Vielseitigkeitssport erfolgreichen Eltern verfügt Parforce über eine Leistungsabstammung, wie man sie nicht nur in der Trakehner Zucht selten findet. Und Parforce hat die Ansprüche, die man an die Nachkommen solcher Eltern und ihre Vererbung stellt, in jeder Hinsicht erfüllt!

Die HLP allerdings wies noch nicht so recht darauf hin, dass der so leistungsbetonte Sport- und Zuchtaspirant die Erwartungen erfüllen würde – Züchter Jörg Freiherr von Imhoff und Besitzer Karl Heinz Schulenburg sahen’s gelassen. Einmal mehr ein Beweis dafür, dass eine Hengstleistungsprüfung zwar durchaus ihre Berechtigung, aber stets begrenzten Aussagewert hat: Parforce wurde seinerzeit gerade mal in die Leistungsklasse III eingereiht. Danach begann der Hengst seine Karriere im Springsport zunächst unter Gerhard Westphal auf ländlichen Turnieren in Schleswig-Holstein. Später wechselte er in den Beritt von Gilbert Böckmann, der den Beschäler bis zur Klasse S herausbrachte! Erfolge hat er bis zur Klasse M/A im Scheckbuch.

Bis 1996 stand Parforce im Besitz von Karl Heinz Schulenburg, dann konnte Hans Magers das Juwel erwerben und nach Bayern bringen. Viele Stationen hat der Hengst in seinem Leben schon gesehen, u.a. die Zuchtstätte Trepkau, die Gestüte Birkhausen und Webelsgrund sowie  hier in Bayern außer der Station seines Besitzers die erfolgreiche Vielseitigkeitszucht Hörmiller in Kaufbeuren und den Stall Wyrwoll in Duggendorf. Die Boxentüre allerdings haben ihm die Stutenbesitzer wahrlich nicht eingerannt, und sie tun es auch heute noch nicht.

Aber seine leider wenigen Nachkommen machen ihrem Vater alle Ehre: Sein Sohn Advent aus einer Stute von Lucado wurde in Ungarn gekört; vier Töchter wurden beim ZfdP und anderen Zuchtverbänden registriert, 20 Töchter sind bisher beim Trakehner Verband eingetragen, davon wurden vier mit der Staatsprämie ausgezeichnet, zwei davon zusätzlich mit der Verbandsprämie; Sahara VIII a. d. ESt. Susi v. Cesar war beste vierjährige Stute ihrer Eintragung. Außerdem stellt Parforce mittlerweile vier Töchter, die den Titel „Elitestute“ aufgrund hervorragender Eigen- und Nachkommenleistungen erhielten – das schaffte bisher kein anderer lebender Vererber!

ESt. Ilexa III a.d. Immortelle v. Herzbube stellte mit Italia und Iluna (beide v. Caprimond) die Siegerstuten der zentralen Eintragungen des Zuchtbezirks Schleswig-Holstein 1998 und 2003 – allein das ein einmaliger Vererbungserfolg! Ilexas Hohenstein-Sohn Incello ist in M-Dressur erfolgreich.

ESt. Hippi a.d. Herzblume v. Erzsand brachte zwei Nachkommen mit Erfolgen in Klasse M: Hetty-Hou v. Donaumonarch (Springen) und Heartbreaker v. Ivernel (Dressur). Ihre Töchter Havanna Sunrise v. Preußenprinz und Happyness v. Michelangelo wurden prämiiert. Hippis Vollbruder Hertilas war in M-Springen erfolgreich.

ESt. Banteer TSF a.d. Bachcantate xx v. Pasteur xx war unter Dr. Matthias Baumann in internationalen Vielseitigkeitsprüfungen auf ***-Niveau sowie in L-Springen erfolgreich (Lebensgewinnsumme 3.305 Euro) und brachte nach ihrem Abschied aus dem Sport bisher zwei Fohlen.

Banteers Vollschwester, StPrSt, PrSt u. ESt. Bunbury, gewann ihre Stutenleistungsprüfung und war unter Michael Jung ebenfalls in internationalen ***-Vielseitigkeitsprüfungen erfolgreich. Sie war das erfolgreichste Trakehner Buschpferd 2003. Zudem erreichte sie Platzierungen in Dressur und Springen Kl. L – die beachtliche Lebensgewinnsumme von 11.463 Euro spricht für sich, zumal in der Vielseitigkeit nicht die höchsten Gewinnsummen erzielt werden. Vor ihrem Sporteinsatz brachte sie bereits Bargello v. Kanudos xx, der bisher in Vielseitigkeit bis Kl. M erfolgreich ist.

Trotz des eher spärlichen Zuchteinsatzes ist es Parforce gelungen, eine ganze Reihe hocherfolgreicher Pferde für alle Disziplinen zu bringen, wobei der Schwerpunkt beim Springen liegt. Somit nimmt er in der Phalanx der zuchtaktiven Trakehner Hengste eine besondere Stellung ein! Bis 2005 wurden 64 Nachkommen bei der FN registriert, 41 davon waren platziert, neun davon in Kl. M und S. Vier Nachkommen seiner Töchter sind bisher bis M platziert, Tempico v. EH Michelangelo u.d. Tussi v. Parforce ist S*-platziert.

Neben den Vielseitigkeitserfolgen seiner beiden Elitetöchter ist als erstes Phantom TSF zu nennen. Der Schimmelwallach war über vier Jahre hinweg das erfolgreichste Trakehner Springpferd Deutschlands und wurde sogar in Nationenpreisen eingesetzt. Im Lauf seiner langen Karriere sprang er 65.717 Euro zusammen! Sein Vollbruder Hurrican ging M-Springen. Die Mutter dieser beiden Sportler stand bezeichnenderweise auch sehr hoch im Blut: Heimchen III war eine Tochter des Shagya-Arabers Gazal.

Besondere Erwähnung verdient auch Malvino a. d. Malve XIII v. Marlo, der in Dressur und Springen M-Erfolge hatte und auf eine Lebensgewinnsumme von 3.772 Euro kam.

Foto: Jutta Bauernschmitt

Parforce - man sieht ihm seine 25 Jahre wahrhaftig nicht an!

Immer für ein Spässchen zu haben!

2007 wird das wertvolle Blut des Parforce noch einmal einer breiteren Züchterschaft angeboten: vom 15. März bis zum 15. August steht er auf dem Gestüt Equiset bei Dr. Strojek-Baunack. Der Service dieser innovativen Deckstation umfasst neben Frischsamen auch die Bereitstellung von TG sowie Embryotransfer.

In Pedigree, Eigenleistung und Vererbung über jeden Zweifel erhaben – der profilierte Elitestuten- und Sportpferdemacher wäre nicht der ungeeignetste Kandidat für die Verleihung des Titels „Elitehengst“. Womöglich fehlt dem Trakehner Verband ja noch ein passendes Geburtstagsgeschenk?

Friederike Winkler/Karin Schweiger