Sie schaffte wirklich Wunder:

Ein echtes bayerisches Wundermädel

Die Isarländerin starb vor kurzem im Alter von 29 Jahren.

Foto: Elitekatalog

Erfolgreich auf der Rennbahn, geprüft im Vielseitigkeitssport, eine Zuchtleistung von 12/10, darunter zwei Weltklasse-Vielseitigkeitspferde und eine Elitestute - Wundermädel trägt ihren Namen zu Recht!

Foto: Archiv Engelhardt

Der berühmte Sohn: Windfall war 2003 das erfolgreichste Vielseitigkeitspferd der Welt

Foto: privat

Tat es ihrer Mutter gleich: Windspiel, hier unter ihrem Züchter Franz Hörmiller im Busch unterwegs, ist nach großer Karriere im Vielseitigkeitssport Elitestute des Trakehner Verbandes

Foto: Beate Langels, Archiv Lembke

Wildrose VIII nahm bis Ende 2006 den Platz ihrer Mutter in der Zucht von Heinz Lembke ein

Foto: privat

14 Starts, 12 Platzierungen, davon 4 Siege – eine tolle Bilanz des Sportjahres 2006 konnten Wildblüte v. EH Benz u.d. Wildrose VIII v. EH Tenor und ihre Reiterin Ingeborg Ludwig ziehen

Foto: Archiv Lembke

Wundermädels letzte Tochter Wunderfee – hier mit Max von Bredow unterwegs – erinnert in ihrer Gelände-Springmanier an ihren berühmten Bruder Windfall

Reiz und Faszination gehen aus vom Vollblut - dem Saft, der bekanntlich Wunder schafft. Trotzdem schrecken viele Züchter davor zurück, denn Blut als Wundermittel in der Warmblutzucht will sorgfältig ausgewählt und bedacht angepaart sein. Die 1979 im Gestüt Isarland gezogene Wundermädel xx v. Madruzzo u.d. Wunderblüte v. Celadon - Stani - Wildling war eine der Vollblutstuten, die in der Trakehnerzucht zu Ruhm und Ehre kamen.

Wundermädel xx v. Madruzzo a.d. Wunderblüte v. Celadon/Stani/Wildling ist eine von vier im Trakehner Stutbuch als „Elitestute“ geführten Vollblutstuten. Schon daran misst sich die Klasse dieser dunkelbraunen Isarländerin. Ihr Vater Madruzzo gewann 1971 das St. Leger und war Zweiter im Deutschen Derby. Mitte der Achtzigerjahre gehörte Madruzzo zu den besten Rennpferdevererbern – wie übrigens schon sein Vater Kaiseradler in den Siebzigerjahren. Kaiseradler ist Vater von Patricius xx, in der Trakehnerzucht vor allem bekannt als Vater des Grand-Prix-Siegers, Elitehengstes und Hengstes des Jahres 2005, Van Deyk, und als Vater des ebenfalls Grand-Prix-erfolgreichen Vererbers Goldino.

Nach der Rennbahn hatte Isarland keine Zuchtkarriere für die Stute vorgesehen – zu ihrem Glück sicherte sich Franz Hörmiller aus Kaufbeuren die bayerische Blüterin. Ein Nervenbündel sei Wundermädel gewesen, und fast nur noch Haut und Knochen, berichtet der erfolgreiche Vielseitigkeitsreiter. Hörmiller beschloss, dass dem Nervenkostüm der Stute ein Jahr Weide und ein Fohlen gut täten – gesagt, getan. Zur Bedeckung wurde der in der Nachbarschaft stehende Trakehner Sascha gewählt, und Wundermädel war erstaunlicherweise auf den ersten Sprung tragend.

Fünfjährig wurde Wundermädel beim Trakehnerverband vorgestellt und bekam die Traumnote 10 im Typ. Das eine Weidejahr wurde auf ein zweites ausgedehnt und Wundermädel schenkte einem weiteren Stutfohlen das Leben, diesmal von Hyalit. Dann ging’s aber ab in den Busch, denn da ist Franz Hörmiller zu Hause. Zwei Saisons reichten der Ausnahmeblüterin, um ihr eigenes Buschtalent in Prüfungen der Klassen A, L und M unter Beweis zu stellen. Franz Hörmiller stieg aus dem Sattel – und der Augenblick für Heinz Lembke war gekommen, der die Stute von Anfang an mit Argusaugen beobachtet hatte. Acht weitere Fohlen schenkte Wundermädel ihrem neuen Besitzer.

Überragende Nachfolgerinnen

West Virginia (geb. 1985 v. Sascha) ist die legitime Nachfolgerin ihrer Mutter in der Zucht von Franz und Daniela Hörmiller in Kaufbeuren. Die Anpaarung von Wundermädel an den rittigen und charakterstarken Schimmel Sascha erwies sich als Volltreffer: Nachkommen der West Virginia von Adlerschild xx und Intervall xx laufen sehr erfolgreich im Vielseitigkeitssport, derzeit bis zum L-Bereich, und haben sicher Anteil an dem guten Ruf des Stalles Hörmiller als Quelle exzellenter junger Nachwuchs-Buschcracks, z.B. Winnetou v. Adlerschild xx von Rita Mair mit fast 3000 Euro Lebensgewinnsumme, Wolkenflitzer v. Adlerschild xx, Wetterhexe v. Intervall xx aus dem Stall Wyrwoll, die im Distanzsport erfolgreiche Wadonna v. Parforce und das hoffnungsvolle Nachwuchstalent William’s Birnbaum v. Parforce. Waldhexe v. Adlerschild xx, die wie viele Stuten bei Hörmillers erst ein Fohlen bekam und dann in den Sport ging, hat mittlerweile auch schon mehr als 1000 Euro auf dem Konto stehen. Wie immer v. Intervall xx, Franz Hörmillers derzeitiges Erfolgspferd, soll noch den Weg bis zu Drei-Sterne-Prüfungen gehen und dann – trotz wahrhaft verlockender Kaufangebote – die Stutenfamilie von Mutter und Großmutter in Hörmillers Zucht erhalten.

West Virginias Tochter Wetterhexe qualifizierte sich fürs Bundeschampionat und verhalf Aikje Fehl und Stephanie Wyrwoll zum Start ins erfolgreiche Buschreiterleben; ihr Sohn Weinbrandt v. Parforce ist unter Sophie Grieger schon hochplatziert in Vielseitigkeit bis Klasse L (u.a. 4. in Salgen im Mai). West Virginias Sohn Weißer Riese v. Parforce brachte Hörmiller 4-jährig zu schönen Erfolgen in Geländepferdeprüfungen, heute steht der Schimmel im Stall von Polly Jackson in Großbritannien und reiht unter ihrer Bereiterin Meike Weber einen Erfolg in Novice-Prüfungen an den anderen.

Woustershire v. Adlerschild xx war, wie ihre Mutter West Virginia, eine der wenigen Stuten, die bei Franz Hörmiller nicht im Sport vorgestellt wurden, sondern sofort in die Zucht ging. Sie wurde vornehmlich an bayerische Hengste angepaart; die Kinder sind fast ausnahmslos im Sport erfolgreich. Winterlady stammte von Sir Tom, einem bayerischen Sohn des Sir Shostakovich xx, war in Gelände- und Springprüfungen bis Kl. L erfolgreich. Windlicht v. Legendär I stellte Franz Hörmiller selbst in Vielseitigkeitsprüfungen bis Zwei-Sterne-Niveau vor; ihr jetzt 7-jähriger Sohn Prosecco v. Parforce hatte in dieser Saison unter Elmar Lesch tolle Erfolge bis CIC**, u.a. in Marbach, Schenefeld und Strzegom/Polen, und vertrat Bayern bzw. die deutsche Pferdezucht bei der WM der Jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion d’Angers vertreten, wo er auf Platz 20 (von 66 Startern, davon 53 in der Wertung) bestes 7-jähriges Pferd mit Trakehnerblut war. Wildes Früchtchen, ebenfalls v. Legendär I, ist selbst bis Klasse L erfolgreich im Busch und Mutter des Nachwuchs-Buschpferdes Pommery (Daniela Bendfeldt). Wie sonst v. Asti Spumante ging als Springpferd nach Irland. Windrose v. Asti Spumante ist Mutter des Fuchswallachs Papillon v. Parforce, der in Großbritannien unter Polly Jackson in dieser Saison mit Qualifikation und Teilnahme beim 5-Jährigen-Cup der Land Rover Burghley Horse Trials schon mal eine große Hürde auf dem Weg in den großen Sport nahm.

Windspiel

Windspiel, Wundermädels zweites Fohlen, gab der Buschszene schon mal einen Vorgeschmack auf das, was da noch kommen würde. Die Hyalit-Tochter ist die zweite Elitestute aus der noch sehr jungen Stutenfamilie der Wundermädel. Windspiel wurde zunächst von ihrem Züchter Franz Hörmiller in den Vielseitigkeitssport gebracht, wo sie sechsjährig bereits M-Platzierungen aufweisen konnte. Unter Martin Drescher feierte sie dann Erfolge bis zu internationalem Niveau. Unter anderem war Windspiel bestes deutsches Pferd beim CCI*** in Luhmühlen, wo Drescher und sie 3. der Deutschen Meisterschaft wurden. Die Stute war stets recht gut in der Dressur und im Gelände unschlagbar schnell. Da durfte dann auch mal ein Klötzchen im Parcours fallen. Windspiel trug das Kürzel TSF der Trakehner Sportförderung, 1997 wurde der Stute der Titel „Trakehner des Jahres“ zuerkannt. Nach ihrer Sportkarriere ging Windspiel in die Zucht und bewährte sich, soweit jetzt schon ein Urteil möglich ist, auch da hervorragend. Den Sohn Würfelzucker v. Sir Shostakovich xx bildete Bayerns Jugend-Landestrainers Johannes Grupen aus, er gehörte zum Lot von Elmar Leschs „Top Eventern“ im November 2006. Wundertüte v. Heraldik xx, seinerzeit bestes Fohlen der Schau im Gestüt Schwaighof, führt Josepha Six derzeit mit schönen Erfolgen in den Vielseitigkeitssport. Windstille II vom Vollblüter Sevillano xx war 2007 beste Halbblutstute anlässlich der Zentralen Eintragung im Gestüt Sommerlade.

Nach Wundermädels Rückkehr aus dem Sport wurde bei Heinz Lembke der erste Sohn der Blüterin geboren. Alle vier Söhne der Wundermädel schafften übrigens die Zulassung zur Körung nach Neumünster! Wildbach v. EH Tenor musste erst im Endring gehen, der zwei Jahre jüngere Windfall v. Habicht wurde zum Aushängeschild. Der Schwarzbraune sorgte schon auf seiner Körung für Schlagzeilen, da er satzungsgemäß zur Auktion gehen musste, aber vom Aufzuchtgestüt Hörstein zum Sensationspreis als Nachfolger seines legendären Vaters zurückersteigert wurde. Von Ingrid Klimke in den Sport gebracht, wechselte das Ausnahmetalent 2000 in die USA und reihte seither unter Darren Chiaccia einen international beachteten Erfolg an den anderen. 1997 war Windfall Vize-Bundeschampion, 1998 Bundeschampion, 1999 wurde er zum ersten Mal „Trakehner des Jahres“, ein Jahr später wählten die Leser der „Reiter Revue International“ ihn zum „Pferd des Jahres“. 2003 rangierte Windfall als Goldmedaillengewinner der Panamerikanischen Spiele ganz vorn im BCM World Breeding Ranking; 2004, nach dem Mannschafts-Bronze bei der Olympiade in Athen, wurde er erneut „Trakehner des Jahres“.

Wildrose VIII v. EH Tenor war die Nachfolgerin ihrer Mutter Wundermädel in der Zucht von Heinz Lembke, ihr Fontainbleau-Sohn Weneralgo trug große Hoffnungen des Züchters, ging aber sehr früh ein. Wildblüte v. EH Benz bewährt sich im ländlichen Turniersport, hat Platzierungen in Vielseitigkeitsprüfungen der Kl. A und in Dressurprüfungen der Kl. L. Waris v. Buddenbrock war 1999 das bestbewertete Fohlen in Bayern und soll ihre Mutter jetzt in der Zucht ersetzen. Wundermädels weitere Kinder Wondering Star v. EH Tuareg, Wildfire und Wunderblüte, beide v. EH Sixtus, gehen im ländlichen Turniersport, und die schöne Warani v. Polarpunkt führt ein umsorgtes Leben bei Familie Linner in Wolnzach. Wundermädels letzte Tochter Wunderfee v. Buddenbrock wird nach dem Tod ihrer Halbschwester Wildrose deren Platz in der Zucht einnehmen. Die Stute wurde kurz von Aikje Fehl und Max von Bredow im Sport vorgestellt.