Von der Rennbahn zum Elitetitel: Die Geschichte der Wundermädel xx ist lesenswert ...

Die zweite Elitestute aus dem Stall Hörmiller: Windspiel II TSF v. Hyalit u.d. Wundermädel xx war "Trakehner des Jahres" 1997

Das heiße Eisen: Wie immer v. Intervall xx u.d. West Virginia v. Sascha u.d. Wundermädel xx, eine Vollschwester zu Dr. Annette Wyrwolls Bundeschampionats-Qualifikantin Wetterhexe, ist derzeit Franz Hörmillers Top-Pferd. Sie soll die Zucht weiterführen
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Wenn man den Namen der Elitestute Wundermädel xx hört, denkt man in aller Regel an Windfall und den Züchternamen Heinz Lembke. Das ist aber höchstens die halbe Miete. Entdeckt, in den Sport gebracht und zuerst züchterisch genutzt hat die herrliche Madruzzo-Tochter nämlich Franz Hörmiller aus Kaufbeuren. Eine wahre Phalanx an vornehmlich im Vielseitigkeitssport erfolgreichen W-Pferden beweist noch immer, wie erfolgreich der Züchter mit dem ungewöhnlichen Bauchgefühl diese Stutenfamilie pflegt.
Franz Hörmiller ist ein Mensch, der mit beiden Beinen fest auf der Erde steht. Und das ist landwirtschaftlicher Boden – mit all seinen saisonalen Zwängen. Na, stolz ist er schon auf die selbst gezogenen und ausgebildeten erfolgreichen Sportpferde – immerhin fließen die Züchterprämien für Erfolgspferde wie Bandit (Daniela Hörmiller), Amigo (zweimaliger Europameister Junioren mit Christine Seitz), Windspiel (Trakehner des Jahres, 3. Platz Deutsche Meisterschaften mit Martin Drescher), Wetterhexe (2004 qualifiziert fürs Bundeschampionat mit Dr. Annette Wyrwoll), Waldhexe (Heike Winterhalter), Windrose (Sophie Grieger), Weinbrandt (Andreas Grieger), Wolkenflitzer (Birgit Dichtl), Prosecco (Vanessa Zoller) und einige andere auf sein Konto. Aber für den Platz im Rampenlicht hat er nichts übrig. Schließlich hat er einen Betrieb zu führen. Neben Zuchtstuten und dem dazugehörigen Nachwuchs stehen eine ganze Reihe von Berittpferden und jungen Pferden aus eigener Zucht in den Boxen und wollen auf Turnieren vorgestellt werden. Eine Pensionspferdehaltung und Unterricht sorgen für die wirtschaftliche Basis des Betriebs.
Wo andere Zuchtwerte und Jahrbücher studieren, Modehengsten und Titelträgern nachlaufen und jede Möglichkeit ausnutzen, die die KB heutzutage bietet, bleibt Franz Hörmiller bei den Hengsten, die in der Nähe stehen. Für mehr hat er, Sie ahnen’s schon, keine Zeit. Gott sei Dank, möchte man fast sagen. Er weiß, was er im Stall stehen hat, kennt seine Stuten im Umgang und unter dem Sattel, weiß ihre Nachzucht einzuschätzen. Die Hengste aus der Umgebung kennt er auch, hat sie live gesehen und nicht nur im Hochglanzprospekt. Adlerschild xx aus dem Landgestüt Schwaiganger, der Graditzer Intervall xx, der im Gestüt Alter Thurm deckte, Parforce, den er sich von seinem Buschkollegen Hans Magers für ein paar Decksaisons in den eigenen Stall holte, die Landbeschäler Tempeltanz xx und Ridwan xx – das sind Hengste, die Franz Hörmiller für seine Stuten wählt. Und er fährt nicht schlecht damit, der Erfolg im Sport und der gute Absatz, den seine Zuchtprodukte finden, dürfte Bestätigung genug sein.
Einen besseren Start ins Reitpferdeleben kann man einem Pferd aber auch kaum wünschen: einen Züchter mit Intuition, eine Mutter und Geschwister, die Leistung bewiesen haben, und eine solide Grundausbildung im Heimatstall. Zucht funktioniert eben nur mit Vermarktung, das ist eine alte Weisheit. Vermarktung von Reitpferden funktioniert aber nur mit Grundausbildung. Züchter, die das selbst nicht leisten können, müssen in der Rentabilitätsberechnung bei den „Herstellungskosten“ für ihr Zuchtprodukt heutzutage ein dickes Polster aufschlagen.
Pferde sind Liebe und Leben für Franz Hörmiller und seine Frau Daniela – aber rechnen können sie beide. Und so geht auch mal ein talentiertes Pferd in andere Hände, mit dem die beiden selbst sicher mehr Erfolg hätten als die neuen Besitzer. Der Rubel muss halt rollen ... Franz Hörmiller gehört schon lang zu den Etablierten im Busch, hat Erfolge bis CIC***. Seine junge Frau, die eigenem Bekunden zufolge erst unter seinen Fittichen reiten gelernt hat, hat sich in dieser Saison mit dem selbstgezogenen Bayernwallach Bandit v. Belmont Park xx so richtig in die Spitze geschossen – da ließ die Kaderberufung nicht lange auf sich warten, und das Internet-Portal "buschreiter" wählte die Amazone aus Kaufbeuren zur „Aufsteigerin des Jahres“.
Runde fünf Fohlen erblicken hier im schönen Allgäu pro Jahr in der Regel das Licht der Welt. Es sind Bayern und Trakehner. Beide Zuchten basieren auf jeweils einer Stutenfamilie. „Wir haben schon mal andere Stuten in die Zucht eingestellt“, sagt Franz Hörmiller. „Aber wir sind doch immer wieder auf die eine Familie zurückgekommen. Das ist einfach unsere Sorte Pferd, da ist eine ganz andere Grundrittigkeit da“, schwärmt der ausgebildete Landwirt etwa von den Nachkommen der Vollblüterin Wundermädel.
Apropos Wundermädel – das ist so eine von diesen unglaublichen Erfolgsgeschichten. Die braune Madruzzo-Tochter sah er vierjährig in ihrer Zuchtstätte, dem Gestüt Isarland in Percha am Starnberger See. Sie war drei- und vierjährig gelaufen, hatte bei 14 Starts in Flachrennen einen Sieg und fünf Plätze errungen und ein GAG von 61,5 kg zu Buche stehen. „Die war fertig mit der Welt“, sagt Hörmiller. Ein nervliches Wrack, nur noch Haut und Knochen, webte die Stute in ihrer Box vor sich hin. Isarland hatte nicht vor, die Stute züchterisch einzusetzen. Kurzentschlossen packte Hörmiller die Stute mit dem schicken Gesicht auf den Hänger und fuhr sie nach Hause. Dr. Weide und Dr. Zeit, so lautete das Rezept – und gedeckt wurde Wundermädel auch gleich. Der Trakehner Schimmel Sascha, der bei seinem Nachbarn Heinz Lembke als Reitpferd für dessen Frau stand, brauchte gerade mal einen Sprung, um die Vollblüterin in andere Umstände zu versetzen.
Das Fohlen tat Wundermädel gut – und da auch das Fohlen gut war, wurde ein weiteres Mutterjahr angehängt. Lembke hatte nämlich 1985 den Trakehner Hyalit für ein paar Monate angepachtet. Aber dann ging’s für Wundermädel xx in den Busch. Zwei Saisons brauchte die Vollblüterin, um Erfolge bis Klasse M zu erzielen. Hörmiller stieg aus dem Sattel der Stute – und die Chance für Heinz Lembke war gekommen, der das angehende Zuchtjuwel von Anfang an mit Argusaugen beobachtet hatte. Die züchterische Bilanz am Ende der Zuchtkarriere dieser Ausnahmestute lautete dann: zwei internationale Vielseitigkeitspferde, vier Söhne, die allesamt die Zulassung zur Körung in Neumünster bekamen, einer davon (Windfall) wurde gekört, und drei Töchter, die die Mutter in der Zucht bis heute würdig vertreten. Bei so viel Eigen- und Zuchtleistung konnte der Trakehner Verband nicht an der Blüterin vorbeigehen, der er seinerzeit die Traumnote 10 für ihren Typ gegeben hatte: 1997 wurde Wundermädel als nur eine von drei Vollblüterinnen Elitestute.
Ihre Tochter Windspiel (Zuchtname: Windspiel II, Turniername: Windspiel TSF) tat es der Mutter gleich. Franz Hörmiller brachte die Hyalit-Tochter in den Sport, Martin Drescher feierte die großen Erfolge mit dem „Trakehner des Jahres“ 1997, und Herrath Vogelmann zog vier gute Fohlen in Folge aus der Stute. Nach der Prämierung ihrer Tochter Windstille II v. Sevillano xx als beste Halbblutstute anlässlich der Eintragung auf Gestüt Sommerlade verlieh der Trakehner Verband auch ihr den Elitetitel.
Inzwischen haben Hörmillers schon Urenkel und Ururenkel der Wundermädel unter dem Sattel – und beide schwärmen noch immer von der raschen Auffassungsgabe der Wundermädel-Nachkommen. Beide gehören zum jungen Williams-Eventing-Team. „Svenja Williams engagiert sich sehr im Vielseitigkeitssport“, lobt Franz Hörmiller, der sich von der Zusammenarbeit Nutzen für beide Seiten verspricht. Und dann träumt er doch ein bisschen davon, so viele Pferde gut verkaufen zu können, dass er davon leben kann ...
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