Die Initialzündung – 1973 hielten vier Trakehnerstuten Einzug auf dem Leichthof in Biebelried: (v.l.) Kassa, Pommern und Doba stammten aus dem Verbandsgestüt Rantzau, Sonatine v. Gunnar kam aus dem Gestüt Hörstein ins Fränkische

Georg Wilhelm Leicht stellte seinen Hengst Pascal eigenhändig vor, hier bei der Anerkennung in München. Er wirkte neun Jahre in der deutschen Zucht

Pomhoried v. Horizon u.d. Pommern hat Günter Steiner seine Vielseitigkeitskarriere zu verdanken. Später übernahm seine Mutter Renate den Wallach, der für alles zu haben war – hier bei einem Schaubild anlässlich der „Pferd International“ in München-Riem. Auch als heute 18-Jähriger ist er noch genauso temperamentvoll wie auf diesem Foto

Renate Steiner setzt nach wie vor auf „Leicht-Produkte“: Mit dem dreijährigen Katamboried v. Tambour u.d. Kassaried v. Salazar war sie im vergangenen Jahr bei sechs Starts viermal hochplatziert.
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Seit Jakob Leicht im 19. Jahrhundert die Sternbrauerei erwarb, gibt es die Leichts in Biebelried bei Würzburg im Fränkischen, und bereits in fünfter Generation betreibt die Familie den Landgasthof mit ihrem Namen. Keine Frage, dass in der zugehörigen Landwirtschaft auch immer Pferde standen und auf den schweren Böden harte Arbeit zu verrichten hatten. Georg Wilhelm Leicht wuchs mit Pferden auf, erinnert sich noch gut daran, dass der Großvater bereits um 1900 für Kundenbesuche Trakehner vor die Victoria-Chaise spannte. Und Vater Adolf Leicht zog 1914 mit einem Trakehner als Sattelpferd in den Krieg – aus dem beide 1918 gottlob gesund zurückkehrten. Anfang der fünfziger Jahre mussten die letzten Kaltblüter dem Traktor weichen, die Zeit der Pferde auf dem Leichthof schien endgültig vorbei.
Lange freilich dauerte die Pferde-Abstinenz nicht. Nach einigen Reitpferden hielten 1973 vier Trakehner Stuten Einzug, der heutige Stall mit Halle wurde kurz darauf erbaut. Drei der Stuten stammten aus dem Verbandsgestüt Rantzau: Der Stamm der Doba v. Habicht zog über ihre beste Tochter Dobried v. Mazagran später in die junge Zucht von Tilman Pagel nach Bullenheim in der Nähe um. Pommern, ebenfalls von Habicht stammend, vertrat die alte Polar-Linie des Hauptgestüts. Die Stute ging unter Sohn Georg Friedrich Leicht Vielseitigkeitsprüfungen bis zur Klasse M erfolgreich, gewann als 15-Jährige noch über ein Dutzend L-Springen unter einer Juniorin und wurde anschließend noch ein- und zweispännig gefahren. Nebenbei wurde die im Leistungsstutbuch B geführte Stute u.a. Mutter des Vielseitigkeitspferdes Pomhoried v. Horizon, der Polarion-Mutter Polaried v. Insterruf und von Paried v. Pascal, die nach ihrer reiterlichen Laufbahn im Gestüt St. Vitus inzwischen drei Prämienfohlen in Folge gebracht hat. Kassa schließlich, die Tochter des Gazal u.d. Kassave v. Traumulus aus der weitverzweigten Kassette-Familie des Hauptgestüts, erwies sich nicht nur als charakterliches Juwel, sondern auch als fruchtbare Mutterstute, deren Stamm noch heute in Biebelried gepflegt wird.
Kassas Tochter Karied I v. Schwalbenfreund war die erste Stute einer langen Reihe von staatsprämierten Vertreterinnen dieses Stutenstammes auf dem Leichthof. Die Reservesiegerin der letztjährigen Zentralen Eintragung und der Stutenleistungsprüfung, Kafried, beispielsweise ist mit der Geburt ihres edlen schwarzen Monteverdi-Sohns im März bereits in fünfter Generation Staatsprämienstute. Bei Kafried und ihrer Vollschwester aus dem Jahrgang 2005, deren Mutter Kaharied v. Hohenstein 1998 Championatsfohlen von Bayern war, versuchte der Leichthof, die beiden erfolgreichsten Stutenfamilien seiner Zucht zusammenzubringen.
Noch vor dem unerwarteten Erfolg von Grafenstolz wählte man diese Anpaarung, weil der Vater des Hengstes, Polarion, ein Enkel der Pommern ist. Wenn man Kafried und ihre mit 59 Punkten bewertete Schwester sieht, kann man da nur von einem züchterischen Volltreffer sprechen.
Leistungsbereitschaft und Härte für den Einsatz in der Vielseitigkeitsreiterei war das Zuchtziel auf dem Leichthof, auch wenn mittlerweile der Schwerpunkt nicht mehr ausschließlich beim Vielseitigkeitspferd liegt. „Rittigkeit und noch immer Leistungsbereitschaft sind mir besonders wichtig“, sagt Leicht-Tochter Barbara Mechler, die den Betrieb seit 1995 eigenverantwortlich führt. Und sie, die selbst Turnierreiterin und meist allein unterwegs ist, weiß es wahrhaftig zu schätzen, wenn ihre Pferde gut zu handhaben sind. Freimütig gibt die trotz ihrer Zierlichkeit durchaus energische Nichte des Militaryreiters Kurt Mergler zu, dass es mal Zeiten gegeben hat, in denen sie sich „so ein richtiges trittgewaltiges Warmblut zugelegt hat, um den Sprung nach oben leichter zu schaffen“. Reumütig kam sie aber bald wieder zu „ihren“ Trakehnern zurück. „Das war viel zu viel Pferd für mich“, erklärt sie und fügt mit einem Zwinkern hinzu: „Außerdem sind Trakehner einfach ein bisschen schlauer.“ Heute guckt sie sich Ausbildungs- und Berittpferde genau an, bevor sie sie übernimmt. „Da muss der Funke schon überspringen, dann klappt das auch mit der Ausbildung.“
Zwei bis drei Fohlen sind es normalerweise, die hier jedes Jahr das Licht der Welt erblicken. Ganz selten verkauft der Leichthof ungerittene Jungpferde – meist gehen die Zuchtprodukte entweder als Fohlen in andere Hände oder eben erst, wenn sie schon Sattel, Reiter und Turnieratmosphäre kennen gelernt haben. „Wenn man in der Preisgestaltung realistisch bleibt, kann man auch heute Pferde ganz gut verkaufen“, meint Barbara Mechler zur aktuellen Vermarktungslage. „Die Pferde brauchen eine solide Grundausbildung und müssen raus aufs Turnier – wenn man sie zu Hause versteckt, bleibt das Interesse aus.“ Und auf den Turnieren vornehmlich im fränkischen Raum fallen die Pferde des Leichthofs beileibe nicht nur mit ihren eigenwilligen Namen auf.
Woher die kommen? Ein Faible von Georg Wilhelm Leicht – und nur ganz selten macht er da Ausnahmen: Natürlich sollte seinerzeit auch der Junghengst v. Mahon und der zugekauften Harma v. Matador einen zur Vergabephilosophie passenden Namen erhalten. Also H als Anfangsbuchstabe und -ried als Endung, klar. Und der oder die mittleren Buchstaben sollten zumindest Eingeweihten einen Rückschluss auf den Vater ermöglichen. Bald war der schicke Fuchs auf den Namen Horied getauft – allerdings rechnete man nicht damit, dass sich in Neumünster 1986 ausgerechnet US-Amerikaner für den frisch gekörten Mahagoni-Enkel interessierten – und die wollte man mit einem Anklang an das englische Wort „horrid“ (= entsetzlich) nun nicht abschrecken. Flugs wurde der Hengst also „politisch korrekt“ in Horizon umgetauft, bevor er die Reise in die „Neue Welt“ antrat.
Freilich bleiben hitzige Diskussionen zwischen einem „züchterischen Urgestein“ wie Georg Wilhelm Leicht und seiner Tochter über Zuchtentscheidungen nicht aus, aber die beiden haben ihren Weg gefunden. „Wir besprechen unsere Ideen, ich schätze seinen Rat aus über 30 Jahren Zuchterfahrung und er nimmt gern meine Anregungen aus der reiterlichen Praxis an“, sagte Barbara Mechler. „Die endgültige Entscheidung trifft dann jeder für sich.“ Mittlerweile sind auch die Töchter Elisabeth und Franziska aktiv auf Turnieren unterwegs – auf Pferden, die im Leichthof geboren und ausgebildet wurden, worauf Barbara Mechler besonders stolz ist. Wie ihr Vater in seiner aktiven Zeit engagiert sie sich auch im bayerischen Zuchtbezirksausschuss, seit Februar ist sie Stellvertreterin von Dr. Lutz Schubert. Bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit liegt ihr der Sport besonders am Herzen. Für den Zuchtbezirk ist Mechler als aktive Turnierreiterin eine gute Ansprechpartnerin, da sie ziemlich genau weiß, was Reiter wirklich wollen. Sie selbst ist begeistert von Kontakten, die sie ohne dieses Ehrenamt nicht hätte knüpfen können – ein Beispiel mehr für die oft postulierte, aber selten praktisch verwirklichte „Symbiose von Zucht und Sport“.
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Gehörte zu den besseren Hengsten der jüngeren Zucht, erhielt nur leider verletzungsbedingt viel zu wenig Chancen: Der springgewaltige Fuchs Kafka v. El im Cal xx u.d. Kasaried v. Arogno wurde leider nur sechs Jahre alt

Sportlich sind nicht nur die Leicht-Pferde, sondern auch die Leicht-Kinder. Sohn Georg Friedrich ritt erfolgreich Vielseitigkeitsprüfungen bis Klasse M – hier im Bild mit Pommern v. Habicht auf Meisterschaftskurs

Nach langen Jahren „Enthaltsamkeit“ hat Bruno Six wieder einen Trakehner im Stall. Und bei Kastaried v. Starway u.d. Kassaried v. Salazar muss der engagierte Vielseitigkeitsreiter nach eigenem Bekunden aufpassen, „dass er nicht zu viel mit ihm tut“, so bietet sich der noch unerfahrene Nachwuchs-Buschcrack an. Foto: Jutta Bauernschmitt

In fünfter Generation die Staatsprämie: Kafried v. Grafenstolz u.d. Kaharied v. Hohenstein war Reservesiegerin der Zentralen Eintragung 2005, Zweite der Stutenleistungsprüfung, wurde anschließend von Georg Wilhelm Leicht eingefahren und wartete im März mit einem edlen Hengstfohlen v. Monteverdi auf.
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