Herbert Winkelmann Anfang der 70er-Jahre mit seinem "Ziehvater" Heinz Heise

1979 kam das erste eigene Pferd: Kapella, natürlich eine Trakehnerstute

Bis heute Herbert Winkelmanns Lieblingspferd und Mutter seines ersten selbstgezogenen Fohlens: Kapella v. Visier u.d. Karenz

Eigener Stall: Die Winkelmanns mit Dandy und Kapella in Garching-Bruck

Herbert Winkelmanns knackige Ausritte und die anschließenden Feste waren berühmt-berüchtigt
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Einer der ganz Altgedienten in der bayerischen Trakehnerriege feiert einen runden Geburtstag: Herbert Winkelmann aus Garching an der Alz wird am 8. August 60
Wenn die Großmutter aus der Familie Korte im westfälischen Münsterland stammt, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, hätte das Kind nicht die Liebe zum Pferd und zum Vielseitigkeitssport mit der Muttermilch aufgesogen. Am Onkel, der im Krieg viel mit Pferden zu tun hatte und über ein schier unerschöpfliches Wissen verfügte, hing der Junge wie eine Klette. Auf dem Pferd gesessen ist er wahrscheinlich schon, bevor er laufen konnte - aber ernsthaft begann Herbert Winkelmann erst Anfang der 70er-Jahre auf dem Maierhof in Seeon unter Heinz Heise mit der Reiterei.
1979 kam das erste eigene Pferd, die damals zweijährige Trakehnerstute Kapella v. Visier u.d. Karenz. Sie stammte aus der Stutenfamilie der Kassette und wurde von Familie Heise gezogen. Kapella ist noch heute Herbert Winkelmanns Lieblingspferd - nie hat er seither ein besseres Jagdpferd kennen gelernt, nie wieder ein so menschenbezogenes Pferd. Und genau so etwas wie Kapella ist das Ziel seiner züchterischen Bemühungen: sportlich, leistungsbereit, menschenbezogen, zuverlässig - einfach ein Trakehner eben.
Der Busch, Jagdreiten, Vielseitigkeitsreiten - das liegt ihm im Blut, das war und ist sein Leben. Sein Onkel begründete die frühe Begeisterung, Heinz Heise prägte ihn und bei Martin Plewa, Dr. Reiner Klimke und Dr. Eberhard von Velsen holte er sich reiterlich und züchterisch immer wieder Anregungen. Und er wusste stets auch Andere mit seiner Begeisterung anzustecken. Legende sind die von ihm organisierten und geführten Ausritte, bei denen stets "ein paar dicke Dinger" im Weg standen - ja, und die Feiern danach, die waren wahrhaftig auch nie von schlechten Eltern ...
In Garching an der Alz, nicht weit von seinem Geburtsort Feichten, baute Herbert Winkelmann sich mit seiner Frau ein eigenes kleines Paradies auf.
Züchten tut er "nebenbei", mit nicht weniger Herzblut zwar, aber nicht mit dem Stellenwert, den das Reiten in seinem Leben genießt. Sein erstes Fohlen zog er natürlich aus seiner Kapella - von Kassius stammte der kleine Hengst. Überhaupt Kassius: Der legendäre Webelsgrunder, der so viel für die Trakehner im Sport getan hat, zählt zu den Pferden, für die Herbert Winkelmann immer und überall einsteht. Heute kann er sich für den Multichampion Grafenstolz begeistern.
Winkelmanns derzeitige Stammstute ist Sunata, sie stammt von - na, nun raten Sie mal! - Kassius, ihre Mutter Sunda v. Herbststurm hat ihre Wurzeln in der sehr schmalen Linie der Hauptgestütsstute Suska v. Hellespont über den Zweig der herrlichen Sulalei v. Famulus, die bei Dr. Wilhelm Schultz in Mühldorf zu Hause war.
Eine halbe Ewigkeit - um es etwas einzugrenzen: runde 35 Jahre - gehört Herbert Winkelmann zu den tragenden Säulen des Zuchtbezirks Bayern. Baronin von Lotzbeck, Uli Werchau, Karl Steiger, Horst Büttner, Norbert Wallochny, Erhard Schulte und Gerhard Linner - er hat sie alle erlebt, er hat sie alle überlebt. Und immer war er in vorderster Front dabei, wenn's um neue Ideen ging, wenn die Arbeit rief. Pferdefeste in München-Riem? Das Trakehnerturnier, inzwischen schon eine "Institution"? Eine Landesschau? Ohne Herbert Winkelmann undenkbar!
Nicht nur das. Die Wäschhausener Vielseitigkeiten sind seine Idee, die hat er aus kleinsten Anfängen bis hin zu CIC*-Niveau aufgebaut. Nicht nur organisatorisch, sondern auch ganz praktisch da draußen im Gelände mit Holz, Säge, Hammer und Blasen an den Händen. 15 Jahre langen Atem braucht man für so ein Projekt schon - und den haben halt nicht viele ...
Was in letzter Zeit im Zuchtbezirk und im Verband auf fachlicher und menschlicher Ebene abläuft, wurmt einen geradlinigen, ehrlichen Praktiker wie Herbert Winkelmann ungemein. Klar hat auch Winkelmann Visionen und Träume. Aber er weiß aus Erfahrung, was machbar ist und was nicht. Und er weiß vor allem, dass die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt haben. Mit klugem Reden allein ist es halt nicht getan. Diejenigen, die alles Bewährte rückstandslos auf die Seite fegen, sind Winkelmann genauso suspekt wie die, die nach dem bequemen Motto "Haben wir schon immer so gemacht" handeln. Denn wenn's darum geht, Verantwortung zu übernehmen, Rückgrat zu beweisen oder die Ärmel hochzukrempeln, dann findet sich immer derselbe harte Kern der Altgedienten - und der lichtet sich halt bedenklich ...
Viel Frust spielt da inzwischen schon mit, wenn Winkelmann wieder mal allein auf weiter Flur mit dem Infostand auf großen Turnieren Werbung für Bayerns Trakehner macht. Aber wenn er dann mit seiner Begeisterung und seiner Beharrlichkeit jemand aus dem Lager der Skeptiker von den Qualitäten seines geliebten Trakehnerpferdes überzeugen konnte - dann leuchten seine Augen. Das ist sein Lohn und das ist noch immer die Motivation, die ihn antreibt. Wie lange noch?
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Jagd auf Gut Ising

Stammstute der heutigen Zucht: Sunata v. Kassius, hier mit ihrem ersten Fohlen v. Tutanchamun

Herbert Winkelmann macht sich rar im Rampenlicht, das Foto von Jutta Bauernschmitt hat Seltenheitswert

Dafür zieht er im Hintergrund um so aktiver die Fäden

Auch seine Idee: Pilotprojekt Trakehnerprüfungen im Rahmen eines Vielseitigkeitsturniers in Wäschhausen

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