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Der in Kirow gezogene Trakehner Pythagoras-Enkel PEPEL schrieb internationale Dressurgeschichte
| Piligrim (*1944) |
Pythagoras (*1927) |
Dampfross (*1916) |
| Pechmarie (*1917) |
| Alster (*1928) |
Ararad (*1924) |
| Aline (*1921) |
| Polyn (*1943) |
Abstammung unbekannt |
"Von Leichtigkeit und Eleganz geprägt" - so die begeisterten Kommentare zu Pepels Auftritten. Fotos: Elena Werdenberg
Pepels Nachzucht im berühmten Gestüt Kirow war trotz alles andere als idealer Voraussetzungen zahlreich und gut

Das Blut der Pepel-Eltern ganz aktuell in Bayerns Trakehnerzucht: Rominten VIII, überragende Siegerstute der Zentralen Eintragung 2005. Foto: Jutta Bauernschmitt
Wer den Artikel im englischen Original lesen möchte oder mehr Informationen über russische Trakehner sucht, ist hier bestens aufgehoben:
www.rustrakehner.ru
www.russianwarmblood.com
www.trk-base.com
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Im Osten ist Pepel eine Legende in Zucht und Sport - ein Ausnahmepferd in jeder Hinsicht ist er ohnehin. Elena Werdenberg, russische Züchterin und exzellente Trakehner-Kennerin, erinnert an das Pferd, das dafür sorgte, dass die deutsche Mannschaft bei der Olympiade 1972 in München die Goldmedaille in der Dressur verpasste ...
Pepel war eines der wenigen Pferde, die der Sowjetunion im internationalen Reitsport zu höchstem Ansehen verholfen haben. Der Hengst gehörte zur Weltspitze in der Dressur und wurde mit olympischem Gold und Silber dekoriert.
Ausländische Journalisten verfielen immer wieder in Bewunderung und lobten den natürlichen Charme und die Intelligenz dieses Hengstes. „Nie sah man ihn unkonzentriert ... Seine Übergänge von einer Lektion in die andere waren ohne das geringste Zögern, weich und leicht. Seine Gangarten waren so natürlich, dass es schien, man hätte nie mit ihm gearbeitet. Die reiterliche Einwirkung war völlig unsichtbar“, so das belgische „Bulletin Officiel de la F.R.B.S.E.“ „Seit den Zeiten von General Wattel auf Rampart und Colonel Lesege auf Ten hat man derart präzise und künstlerische Arbeit nicht mehr bewundern können“, begeisterte sich auch ein Korrespondent des französischen „L’Epéron“. „Das russische Paar Pepel/Petushkova demonstrierte als einzige Harmonie und damit Leichtigkeit“, schrieb der amerikanische Richter und Beobachter Dr. Van Schaik.
Für Elena Petushkova war dieser Hengst Inspiration; keine Frage, dass sie ihm den größten Teil ihres Buches „Reise im Sattel durchs Leben“ widmete. Dort beschreibt sie ihn als „schwarzen Trakehner Pepel, Sohn des Piligrim, der das Zuchtziel verkörperte und eigentlich für die Vielseitigkeit vorgesehen war. Er sprang hervorragend, doch wurde auf seinem linken Auge Grauer Star festgestellt – möglicherweise Folge einer Stichverletzung, die er sich als Fohlen zugezogen hatte. Wer davon nicht wusste, hielt Pepels linkes Auge meist für ein Fischauge. Er konnte schon noch sehen, aber sicher nicht genug für ein Vielseitigkeits-Turnierpferd.
Pepel war stolz, eigenwillig und eine echte Persönlichkeit. Manchen Leuten mag der Ausdruck „Persönlichkeit“ in Zusammenhang mit einem Pferd seltsam erscheinen – aber nur Menschen ohne enge Beziehung zu einem Tier. Aber was genau ist die Persönlichkeit eines Pferdes? Anlage? Charakter? Temperament? Zweifellos hatte Pepel ein sehr gutes Gedächtnis – für Positives und Negatives, aber insbesondere für Unrecht. Hatte ihn jemand mit ungerechtfertigter Härte behandelt, vergaß er nicht und sann auf Rache. Wurde er gestraft – wie berechtigt auch immer –, war er tagelang beleidigt. War die Versuchung in Form eines Leckerbissens zu groß, war sein widerwilliger Gesichtsausdruck kaum zu übertreffen.“
Diese Zeilen verschaffen uns einen tieferen Einblick in den Charakter des Hengstes, der zur „Legende des russischen Sports“ wurde. Mannschaftssilber bei den 19. Olympischen Spielen in Mexico, Welt- und Europameister Aachen 1971, Mannschaftsgold und Einzelsilber bei den 20. Olympischen Spielen 1972 in München, Bronze bei der EM in Kiew 1975 – soweit die bei weitem nicht vollständige Liste seiner großen Erfolge. Der letzte gemeinsame Start von Pepel und Elena Petushkova war die Sowjetische Meisterschaft 1977. Nach der letzten Prüfung sprang Petushkova aus dem Sattel, küsste Pepel auf die Nüstern – und beide gingen ihrer Wege.
Im Alter von 21 Jahren kehrte er in seine Zuchtstätte, das Gestüt Kirow, zurück – als Deckhengst. Trotz bei weitem nicht idealer Voraussetzungen – er wies nur mittlere Größe auf (1.63 m Stock), seine Samenqualität war ziemlich schlecht, und er hatte wahrhaftig kein ideales Exterieur – hielt Kirow an ihm fest und führte ihm die besten Stuten zu. Sein erster Fohlenjahrgang 1978 gab denen Recht, die an diesen Hengst geglaubt hatten. Salp und Valtrap waren hervorragende Springpferde, und Gipjur ging in Elena Petushkovas Stall. Er schien in die Fußstapfen seines Vaters treten zu können, doch achtjährig erlitt er einen Leistenbruch, der jeden weiteren sportlichen Einsatz vereitelte. Gipjur ging nach Dnepropetrovsk und wurde zum prägenden Vererber der Ukrainischen Warmblutzucht. Seine Söhne und Töchter haben ihm vielfachen Ruhm eingetragen: Archipellag, Hang und Tagil sind Sieger zahlreicher nationaler und internationaler Springen und Hirurg wurde zum besten Springpferd in der Ukraine, um nur einige zu nennen.
Es kostete lange und zähe Verhandlungen mit dem Gestüt Dnepropetrovsk, um Gipjur 1999 für ein Jahr als Deckhengst ins Trakehnergestüt Zevs zu bekommen. Hier wurde er Vater von Gladiator und Gefest, die gekört wurden und derzeit in der Zucht wirken.
1979 kam Pepels Sohn Vipas zur Welt, der bei neun Starts auf dem großen Rostover Turnier einen Sieg, zwei zweite und zwei dritte Plätze errang. Seine außergewöhnliche Abstammung, sein tadelfreies Exterieur und die sportliche Leistung erschienen den Verantwortlichen in Gestüt Kirow sehr attraktiv. Dreijährig bis zu seinem Tod 1993 war Vipas aktiv in der Zucht eingesetzt, sieben seiner Söhne erhielten die Zuchtzulassung. 2003 wurde Hodar, ein Vipas-Enkel aus einer Hannoveraner Stute, Hengst des Jahres. Hodars Nachkommen waren im selben Jahr in keiner Leistungsprüfung zu schlagen. Aktiv, ein weiterer Vipas-Sohn, war in internationalen Springprüfungen fürs amerikanische Team am Start und steht dem tschechischen Gestüt Albertowitz für die Zucht zur Verfügung. Val v. Vipas ist in Kanada gekört.
1980 wurde Pepels letzter Jahrgang geboren – natürlich dominiert von den beiden Hengsten Vopros und Sapros. Beide waren erfolgreich in Springprüfungen und geben das wertvolle Blut ihres Vaters in der Zucht weiter. Sapros, der erfolgreichere der beiden und seit 1997 in Deutschland, wird heute über Künstliche Besamung in der Zucht seines Heimatlandes eingesetzt. Sieben seiner Söhne und ein Enkel bereichern derzeit die Trakehner und Hannoveraner Zuchtprogramme. Sapros’ russische Nachzucht ist noch sehr jung, doch bereits erfolgreich im Sport aufgetreten. Beispielgebend seien Visitjor und Dios (Springen), Haneta (Dressur) und Susenli (Vielseitigkeit) genannt.
Pepel starb 1981 in hohem Alter. Er fraß wie immer sein Abendfutter, legte sich schlafen und stand einfach nicht wieder auf – sein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Welch ein friedlicher Tod nach so einem bewegten Leben! Für die russische Trakehnerzucht und Reiterei war Pepel ein Star. Seine Sportkarriere hat Höhen und Tiefen gesehen, aber 13 Jahre lang waren er und Elena Petushkova ein fast unschlagbares, eingeschworenes Team.
Dass die Blutführung des Pepel auch heute noch für außergewöhnliche Pferde gut ist, beweist die großartige Siegerstute von Bayerns Zentraler Stuteneintragung 2005. Als Hans Ernst Wezel vom Gestüt Schralling, bekanntlich mit ebenso großem wie auf fundiertem Wissen basierendem Faible für russische Trakehner gesegnet, seinerzeit den Webelsgrunder Hengst Karneol aus dem tschechischen Albertovitz für sein Gestüt holte, hatte er auch eine Tochter dieses Hengstes mit im Gepäck: RUPIE, großrahmige schwarze Schönheit des Geburtsjahrgangs 1980.
Rupie stammte aus der Kirower Sute Rupija v. Prival - und da haben wir sie: Rupijas Vater Prival ist über seine Mutter ein Enkel des Piligrim, und Rupijas Mutter Romaska über ihren Vater eine Enkelin der Pepel-Mutter Polyn. Rupies Stutenstamm ist in Schralling noch sehr lebendig, vor allem über ihre Töchter RUDSCHEN v. Markzauber und RAUSCHEN v. Inster Graditz. Rauschen wiederum brachte nach Anpaarung mit Gelria eben jene mit der höchsten in Bayern je vergebenen Note eingetragene ROMINTEN, die 2005 das Eintragungslot in Kreuth souverän beherrschte. Inzwischen ist sie Mutter eines Hengstfohlens v. Lowelas geworden. Romintens Halbschwester RHEA v. Sapros sorgte ebenfalls in Kreuth 2005 im Rahmen der Stutenleistungsprüfung mit ihrem Freispringen für Szenenapplaus. Romintens Halbschwester RAZZMATAZZ v. Hockey befindet sich in der Zucht van de Ree (Hippo Assurantien) in den Niederlanden.
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